© APA/HERBERT PFARRHOFER

Politik Inland
10/21/2018

100 Jahre danach: Österreich feiert das Fundament der Republik

Mit einem Festakt zur Gründung der provisorischen Nationalversammlung erfolgte der Auftakt für die nahenden Geburtstagsfeiern der Republik.

von Klaus Knittelfelder

Es war kurz nach 17 Uhr, als am 21. Oktober 1918 in der Wiener Herrengasse die Basis für die Gründung der Ersten Republik gelegt wurde. Immer noch tobten letzte Kämpfe des Ersten Weltkrieges, die österreich-ungarische Armee kämpfte trotz des nahenden Zerfalls des Habsburger-Reiches. Doch schon an diesem 21. Oktober trafen sich 208 deutschsprachige Reichsratsabgeordnete im Palais Niederösterreich – der Grund ihrer Zusammenkunft: Man beschloss die Konstituierung der „provisorischen Nationalversammlung“ des neuen Staates Deutsch-Österreich, dem Vorläufer des Nationalrates. Das Fundament für die wenige Wochen später folgende Gründung der Republik war also gelegt.

„Jede politische Errungenschaft“, sagt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), „geht auf diese Stunde zurück.“

Deshalb feierte das offizielle Österreich 100 Jahre später diesen Tag – exakt um 17 Uhr und just am Ort der damaligen Zusammenkunft: dem Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse. Sobotka zitierte in seiner Auftaktrede aus dem Protokoll der Versammlung aus 1918 und nützte das Jubiläum für einen Appell, den Parlamentarismus zu verteidigen. „Jede Generation muss entscheiden, wie sie mit der demokratischen Tradition umgeht“,so der Parlamentspräsident.

Neben Sobotka hielten auch die Klubchefs der Parlamentsparteien teils mahnende Reden. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner etwa verlangte, dem politischen Gegner wieder mehr zuzuhören. „Denn es liegt an uns allen, diese Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben“, sagt sie über die Gründung der Republik.

Die Bundesregierung rückte de facto geschlossen an; abgesehen vom erkrankten Kanzler Sebastian Kurz sagten laut den Veranstaltern lediglich Kanzleramtsminister Gernot Blümel und Innenminister Herbert Kickl ab. Moderiert wurde der Festakt von KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon.

Es war dies erst der Auftakt der Gedenkfeierlichkeiten der kommenden Tage (siehe auch Seite 19): Am nahenden Staatsfeiertag lädt das Bundesheer wie jedes Jahr zur Leistungsschau am Heldenplatz, Bundespräsident Alexander Van der Bellen gelobt Rekruten an, Kanzleramt, Hofburg und Ministerien öffnen Besuchern ihre Tore.

Offiziell zelebriert wird der 100. Geburtstag Österreichs letzthin am 12. November, und zwar mit einem Festakt in der Staatsoper.