Ihr Herz schlägt für Österreich

Was 14 weltweit erfolgreiche Österreicher am Nationalfeiertag unternehmen. Und was sie über ihre Heimatdenken. Ein Rundum-Bericht.

Tanzlehrer in Tokio: "Ein bisserl Heimat mitten in Japan"
Die Balletttänzer Rio Mitani und Christian Martinu haben einander in der Wiener Staatsoper kennengelernt. Sie leiten im Zentrum von Tokio eine angesehene Tanzschule. Heute steht dem Paar in der Kompanie ein arbeitsintensiver Tag bevor: „Die Proben für die nächste Vorstellung dürfen nicht unterbrochen werden“, führt der Ottakringer Martinu aus. „Wir werden mit unseren Tänzern eine lange Probe im Ballettsaal haben, nachmittags gibt es aber japanischen Kaffee mit Schlagobers zum Drüberstreuen.“ Es wird auch ein Tag, an dem er mit vielen Freunden und Familienmitgliedern Kontakt haben wird. In der Früh gibt es ein echtes österreichisches Frühstück mit Semmerl und Ei, Palatschinken. „Und für den Abend habe ich ein Gulasch geplant. Wir haben jetzt eine Tochter, zwei Monate alt, und da wollen wir ein bisserl Heimat – zumindest kulinarisch – schaffen.“
Österreich ist für ihn und seine Frau Rio derzeit eher ein nicht erfüllter Wunsch: „Es ist oft ein Sehnen, wieder die Berge zu sehen, die kühlen Morgen im Herbst, Schnee, unsere Freunde und Familien in Wien. Länger als nur eine Woche.“ Event-Veranstalter in Rumänien: "Heimat sind nicht nur die Berge"
Sie gelten beide als Legenden in der internationalen Snowboard-Szene. Heute sind sie verheiratet und leben in der schönen Stadt Sibiu (Hermannstadt): Martin und Sigrid Freinademetz. In den umliegenden Bergen bieten sie Events und Urlaube für Outdoor-Sportler an.
Der Name Freinademetz ist Programm. Der Innsbrucker war in jungen Jahren nicht nur Seriensieger, sondern auch der Andreas Hofer unter den Boardern. Er hat sich mit mächtigen Skiverbandspräsidenten angelegt, ehe er von Red Bull den ersten großen Sponsorvertrag erhielt. Seine Frau Sigrid stammt aus Siebenbürgen.
Heute stehen für das agile Ehepaar tagsüber Termine in der Hauptstadt Bukarest auf dem Programm. Am Abend geht es dann zum Empfang der österreichischen Botschaft in einem Mehrsterne-Hotel.
Österreich ist für Martin Freinademetz nicht zuletzt auch das Vaterland seiner Tochter. Dabei sträubt er sich ein wenig gegen die gängigen Klischees: „Heimat sind nicht nur die Berge, sondern auch Menschen, mit denen man etwas Gemeinsames hat.“ Spediteur in Sydney: "Immer in meinem Herzen"
D er Wiener Peter Brueckner lebt seit dem Jahr 1973 in Australien. Er ist in jungen Jahren ausgewandert, weil er in Österreich für sich keine Chance sah. Heute kann er mit Stolz sagen, dass er es geschafft hat. Seit 21 Jahren führt er in Sydney eine Spedition. Die fährt jedes Jahr in Australien und auch in Südostasien schöne Gewinne und Ehrungen ein.
Heute feiert Brueckner daher folgerichtig weniger den österreichischen Nationalfeiertag als das Jubiläum seiner Firma. Ab 18 Uhr Ortszeit im Taronga Zoo in Sydney. Die Vorfreude ist groß: „Wir haben für 150 bis 200 Leute einen roten Teppich ausgerollt. Viele VIP-Kunden, dazu auch Vertreter von Airlines und Shipping companies.“
Österreich ist für ihn das Land, in dem man sein Talent nicht erkannt hat. Er will aber keinen Groll verspüren: „Österreich und auch Wien, meine Heimat, sind immer in meinem Herzen. Viele Erinnerungen sind schon sehr verwischt, da ich ja schon seit bald vierzig Jahren in Australien lebe.“ Um den Kontakt nicht ganz zu verlieren, besucht er ein Mal pro Jahr seine Geschwister in Wien. Talente-Scout in Brasilien: "Umverteilen wird notwendig sein"
Der Sportmanager Markus Schruf aus Sankt Valentin betreibt in São Paulo und Santos eine Firma, die Fußball-Schulen in ganz Brasilien vernetzt.
Heute bereitet er sich mit jungen Talenten in São Paulo auf die entscheidende Phase der Meisterschaft vor, ehe er sich am Abend mit einigen anderen Auslandsösterreichern das eine oder andere Bier genehmigen wird.
Österreich ist für ihn „zunächst der Ort, an dem meine Familie und immer noch viele Freunde leben.“ Weiters betont er: „Unser Land hat sich in den letzten Jahrzehnten einen Lebensstandard erarbeitet, der im internationalen Vergleich unglaublich ist.“ Dieser Standard sei durchaus verdient. „Aber wir müssen in Zukunft trotzdem  von der bisher praktizierten Strategie der Vermehrung um jeden Preis abgehen. Teilen und Umverteilen wird notwendig sein, um soziale Ausgeglichenheit und somit sozialen Frieden aufrechtzuerhalten. Ich hoffe, dass man in Österreich weiter in Erziehung und Ausbildung investiert, um sich deutlich von rechtspopulistischen Strömungen zu distanzieren. Integration hat immer besser als Ausgrenzung funktioniert.“ Designerin in New York: "In erster Linie ein Urlaubsland"
Die Industriedesignerin Sigi Moeslinger hat mit den von ihr entwickelten, „easy“ zu bedienenden Fahrscheinautomaten in der New Yorker U-Bahn für Furore gesorgt.
Das New York Magazine , Bibel der Urbanisten, hat die Designerin aus Ried im Innkreis unter den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt geführt. Doch daraus macht sie sich wenig. Lieber redet sie über ihre Monitore für den Finanzinformationsdienst Bloomberg, ihre Selbstbedienungsautomaten für McDonald’s und Konzepte für Washingtons U-Bahn.
Heute ist für Moeslinger ein ganz normaler Arbeitstag. New York schert sich nicht um ihre alte Heimat.
Österreich ist daher für sie „in der Zwischenzeit in erster Linie zu meinem Urlaubsland geworden und als solches meist mit sehr vergnüglichen Eindrücken verbunden.“ In New York sei auch die Frage, woher man kommt, absolut nebensächlich. „Wenn mich aber jemand auf meinen fremden Akzent anspricht und dabei annimmt, dass ich aus Deutschland komme, dann bestehe ich schon vehement darauf, dass ich from Austria bin.“ Sprachlehrer in Peking: „Man sieht viele Dinge kritischer“
Der in Österreich und in China ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler und Firmengründer Andreas Laimböck aus Innsbruck arbeitet in einem Business District von Peking. Dort führt er höchst erfolgreich eine Sprachschule für all jene Langnasen, die es ihm gleichtun und Chinesisch erlernen möchten.
Heute will Laimböck – so wie jedes Jahr – zum Empfang der österreichischen Botschaft gehen und einen Abend lang nur Deutsch mit Österreichern sprechen. „Ich freu’ mich schon darauf.“ Nachsatz: „Leider wird es wieder nicht allzu lange dauern, weil der Botschafter immer recht früh Schluss machen lässt.“
Österreich ist für den China-Fan in erster Linie sehr weit entfernt. Aus der Ferne erklärt er: „Man sieht viele Dinge, die einem zuvor selbstverständlich vorgekommen sind, kritischer. Und irgendwann fragt man sich, warum man im Büro unbedingt eine Krawatte tragen muss und warum man nach der Arbeit Bier trinken geht.“ Auf die Frage, was ihm in Peking am meisten fehlt, sagt er allen Ernstes: „Ein richtiges Döner Kebab.“ Operndirektorin in Berlin: "Die Thomas Bernhard’sche Hass-Liebe in mir"
Die gelernte Betriebswirtin Susanne Moser sorgt als geschäftsführende Direktorin der Komischen Oper in Berlin seit sechs Jahren für Aufsehen und vor allem auch für Applaus. Heute fliegt die Salzburgerin von London, wo sie der Premiere von „Castor und Pollux“ im Coliseum beiwohnte, nach Berlin zurück, um nachmittags bei der Orchester-Hauptprobe der Kinderoper „Mikropolis“ dabei zu sein. Die hat wiederum am Sonntag in ihrem Haus Premiere. „Am Abend bin ich dann zum Empfang in die österreichische Botschaft eingeladen. Eine gute Gelegenheit, Heimatluft zu atmen und den wunderbaren Grünen Veltliner zu trinken.“
Österreich ist für sie weiterhin wichtig: „Ich bin von ganzem Herzen Österreicherin, das ist das Land, aus dem ich komme und das mich geprägt hat. Dennoch ziehe ich derzeit das Leben hier in Berlin vor. Aber ich denke, dass auch ich ein wenig die Thomas Bernhard’sche Hass-Liebe zu Österreich in mir trage.“ Schnuller-Produzent in Thailand: „Wechselbäder zwischen Asien und Europa“
D er erfahrene Kunststoff-Ingenieur Markus Giefing aus dem burgenländischen Sieggraben, Bezirk Mattersburg, ist heute Direktor in einer Babyschnuller-Fabrik der österreichischen Firma Mam im Süden von Thailand.
Heute besucht Giefing Lieferanten in China. „Am Nachmittag werde ich dann nach Bangkok zurückfliegen, um am Empfang der Handelsdelegation und der Botschaft teilzunehmen. Ich hoffe übrigens, dass noch die alte Version der Hymne gesungen wird.“
Österreich ist für den ehemaligen Militär (er war Panzer-Kompanie-Kommandant beim Bundesheer und Friedenssoldat am Golan) weiterhin die Homebase, auch wenn er manches nicht mehr nachvollziehen kann – etwa die Diskussion über die Töchter in der Bundeshymne. Der Pendler zwischen China, Thailand und dem Burgenland zieht eine nüchterne Zwischenbilanz: „Ich erlebe regelmäßig Wechselbäder zwischen Asien und Europa. Die vielfachen Unterschiede werden mir da erst bewusst.“ Wüstenfuchs in Ghani, Libyen: "In so einem sicheren Land"
Der erfahrene Mechaniker Rudolf Hois aus einem kleinen Ort im Bezirk Deutschlandsberg arbeitet seit mehr als einem Vierteljahrhundert für die VAOS, einer voestalpine-Tochter, die ihr Geld vor allem bei Erdölbohrungen verdient.
Bis zum Beginn der Revolution in Libyen hat der Südsteirer mit viel Übersicht, Fingerspitzengefühl und Ausdauer ein Erdölarbeiter-Camp in Ghani, mitten in der libyschen Wüste, geleitet.
Heute sitzt Hois auf Nadeln. Weiterhin wartet er auf einen Anruf der Firmenzentrale. „Damit ich endlich wieder an meine alte Wirkungsstätte zurückkehren kann.“ Doch die Lage in Libyen ist noch immer einigermaßen unübersichtlich, wie der Wirtschaftsdelegierte in Tripolis, David Bachmann, dem KURIER bestätigt.
Österreich ist für Rudolf Hois weiterhin seine erste Heimat. Trotz der Liebe zu seiner Arbeit in der Wüste sagt er: „Glaube mir, ich bin jedes Mal glücklich, wenn ich nach Österreich zurückkomme. Man sollte froh sein, wenn man in so einem sicheren und wohlhabenden Land geboren ist.“ Stararchitektin in Istanbul: "Österreich ist gar nicht perfekt"
Das Architektur-Büro von Brigitte Weber aus Sulz bei Feldkirch ist heute eine Top-Adresse in Ankara. Während in Wien weiterhin Zaha Hadid das Maß aller Dinge zu sein scheint, ist die Vorarlbergerin in der Türkei längst mehr als ein aufgehender Stern.
Während in Istanbul dieser Tage die von Weber geplanten Trump Tower in Betrieb gehen, arbeitet ihr Büro bereits an einem ebenso prestigeträchtigen 240.000- -Projekt in der Hauptstadt Ankara.
Heute heißt es daher: Den ganzen Tag im Istanbuler Büro arbeiten, abends zum Empfang ins Konsulat.
Österreich ist für sie inzwischen „auch zu hinterfragen“. Sie erklärt das so: „Zuerst meint man in der Türkei, dass einem nur in Österreich die gebratenen Täubchen in den Mund fliegen, weil Tausend Dinge, die bei uns zu Hause selbstverständlich sind, hier nicht funktionieren. Bald bemerkt man allerdings: Österreich ist gar nicht so perfekt. Die Menschen in der Türkei sind zum Beispiel viel flexibler. Hier findet man immer jemanden, der einem hilft und nicht gleich sagt: Das geht nicht.“ Spediteurin in Mumbai: "Das Land, das mich genährt hat"
Die Tochter von Weinbauern aus Horitschon im Burgenland und Frau eines indischen Bollywood-Schauspielers, Christina Bauer-Zaidi, arbeitet in Mumbai. Sie vertritt dort seit drei Jahren die Spedition Cargo Partner Logistics aus Fischamend in Niederösterreich.
Heute hat sie frei. Denn der österreichische Nationalfeiertag fällt heuer mit Diwali, dem Lichterfest und festlichsten aller Feste in Indien, zusammen. „Wir werden bei einem guten Freund und seiner Familie feiern. Wir werden die schönsten Gewänder anziehen und die angerichteten Leckereien genießen. Auf den 26. Oktober werde ich dann mit meinen österreichischen Freunden anstoßen, inmitten der Feuerwerke und Kracher.“
Österreich ist für sie weiterhin „das Land, das mich geprägt, gelehrt, genährt und reif gemacht hat“. Was sie sich von ihrem Heimatland wünscht? „Mehr Offenheit für Neues, Nicht-Bekanntes. Es wäre schön, würde man Fremde so herzlich empfangen, wie man mich in Indien empfangen hat. Mehr Toleranz gegenüber anderen, gemischt mit einer gesunden Portion Heimatgefühl – die optimale Formel.“ Paradiesgärtner in Marrakesch: "Ein distanziertes Verhältnis"
Der Wiener Gregor Weiss ist die rechte Hand von André Heller in Marrakesch. Ein Stück außerhalb der faszinierenden Stadt lässt Heller für sich und auch für die Öffentlichkeit derzeit einen Paradiesgarten errichten. Weiss muss dort das Kunststück zuwege bringen, zwischen den großen Visionen des Maestros und den realen Möglichkeiten der marokkanischen Handwerker einen goldenen Mittelweg zu finden.
Heute wird Gregor Weiss wieder im Paradiesgarten anpacken: „Es ist jetzt ein geeigneter Moment, um unsere Palmen zu pflanzen.“
Österreich würde der gut informierte Kommunikationsprofi, der zuvor als Regieassistent bei Dokumentarfilmen in Afrika gearbeitet hat, nicht ohne Weiteres verteidigen: „Angesichts der ungustiösen Korruptionsskandale habe ich ein distanziertes Verhältnis zu jenem Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin.“
Der Begriff „Heimat“ kommt ihm dabei nicht über die Lippen. Er sagt so: „Das ist ein schwer zu übersetzender Begriff, den ich eigentlich nicht mit einem Land in Verbindung bringen kann. Faktum ist nur, dass wir alle auf derselben Kugel leben.“ Seilbahn-Experte in Mexiko: "Wie eine gute Kompassnadel"
Der gut ausgebildete Techniker Andreas Fischbacher aus Altenmarkt im Pongau ist der Vertreter der Vorarlberger Firma Doppelmayr in Mexiko. Sein Büro versteckt sich im Bauch des Flughafens in Mexico City. Zwischen zwei Terminals läuft dort ein moderner Cable-Liner aus Wolfurt, darüber hinaus lässt Doppelmayr hoch über dem wildromantischen Kupfercanyon zwei moderne Seilbahn-Kabinen hin- und herfahren.
Heute hat der stets gut gelaunte Ingenieur frei. „Ich mache gerade eine kleine Reise mit einem lieben Menschen“, berichtet er nach Österreich. Und es darf davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem lieben Menschen um seine junge Frau handelt.
Österreich ist für Mexiko-Fan Fischbacher viele Flugstunden entfernt. Das hindert ihn jedoch nicht daran, mit Hochachtung über sein Heimatland zu sprechen: „Heimat ist für mich wie eine gute Kompassnadel. Sie kann sich seiner Bestimmung nicht entziehen und weist unwiderruflich in Richtung Herkunft. So bestimmt sie mit ihrem anderen Ende den  Kurs für die Zukunft.“ Textil-Fabrikant in Lagos: „Ich fühle mich in Nigeria wohl“
Der Fabrikant Rudi Bösch hält sich mit seiner Stickerei in der nigerianischen Hauptstadt Lagos weiterhin über Wasser. Sein Betrieb ist der letzte von ursprünglich 25 Vorarlberger Unternehmen, die für Nigerianer die Stoffe für ihren bunten Trachten geliefert haben.
Heute geht Bösch – wie jeden Tag – zur Arbeit. Seine Textilfabrik befindet sich in der Nähe des Flughafens. Und seine Mitarbeiterinnen sprechen dort mit Hochachtung von ihrem Chief. Weil die österreichische Botschaft von Lagos in die Hauptstadt Abuja übersiedelt ist, „gibt es für uns Lagos-Leute erst am Donnerstag eine kleine Feier. Dabei trifft man Menschen, die man das ganze Jahr über nicht sieht.“
Österreich ist für Bösch weiterhin seine erste Heimat. Er sagt aber: „Ich fühle mich auch in Nigeria sehr wohl. Wenn ich eine Zeit lang in einem Land bin, zieht es mich wieder ins andere Land.“ Dann äußert er noch einen Wunsch an die österreichische Politik: „Mir würde die Abschaffung des Verbots der Doppelstaatsbürgerschaft – so wie in der Schweiz oder in Nigeria – sehr helfen.“
(kurier / Uwe Mauch (Text), Mario Lang (Fotos)) Erstellt am
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