Politik
08.01.2012

Happy Birthday, Stephen Hawking!

Stephen Hawking, berühmtester Physiker der Welt, wird 70 Jahre alt. Die Annäherung an ein Phänomen.

Am besten lässt man kluge Köpfe ihr Phänomen selbst erklären: „Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies“, sagte Stephen Hawking in The Guardian. „Die Menschen sind fasziniert vom Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige.“

Das Phänomen Hawking erinnert an den ersten Science-Star Albert Einstein: Alle reden über seine Bücher, die kaum einer gelesen, geschweige denn verstanden hat. Spötter meinen gar, Hawkings ruhmbegründendes Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ sei das meistverkaufte, ungelesene Buch seit der Bibel. Wissenschaftsautor Robert Matthews brachte es einmal als „die Unfähigkeit der Medien, über Hawkings Rollstuhl hinauszusehen“ auf den Punkt.

Angesichts des Menschen Hawking, seines Lebenswillens und Leidensweges bleibt einem allerdings jegliche Kritik im Hals stecken: Als Hawking mit 22 Jahren an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (amyotrophe Lateralsklerose) erkrankte, gaben ihm die Ärzte maximal zwei bis drei Jahre. Am Sonntag wird der Astrophysiker und Kosmologe 70 Jahre alt.

Scherzbold

Viele würden Hawkings Zustand wohl unerträglich nennen. Er selbst macht Witze darüber: Wenigstens komme er nicht in Versuchung, seine Zeit mit Joggen und Golfspielen zu vertrödeln. Er ist davon überzeugt, in seinem Leben großes Glück gehabt zu haben, privat wie beruflich. Die Krankheit sei „kein so großer Schlag“ gewesen: „Bevor ich sie hatte, fand ich das Leben ziemlich langweilig. Ich glaube, jetzt bin ich glücklicher.“ Apropos Witze: In einem aktuellen Interview mit New Scientist meint Hawking auf die Frage, worüber er sich am meisten den Kopf zerbreche: „Frauen. Sie sind ein totales Mysterium.“

Seine wahre Liebe galt aber immer dem Weltall. Es zog ihn seit seiner frühesten Jugend an. Nach der Schule studierte er Physik in Oxford, dann Kosmologie in Cambridge. Im Rekordtempo legte er eine wissenschaftliche Karriere hin und hatte viele Jahre jenen Lehrstuhl inne, auf dem bereits Isaac Newton saß. Das, was lange als seine wichtigste und umstrittenste Erkenntnis galt –, dass Schwarze Löcher unter bestimmten Umständen Energie verlieren – nennt er heute „meinen größten Fehler, zumindest wissenschaftlich“.

Seine erste Frau Jane, die nach 26 Jahren Ehe ansonsten kaum ein gutes Haar an dem „Despoten Hawking“ ließ, bescheinigt ihm: „Mit dem Verfall seine Körpers ist die Brillanz seines Geistes gewachsen.“ Sie sah es als ihre Hauptaufgabe, ihn immer wieder daran zu erinnern, „dass er nicht Gott ist“. Denn Hawking sucht die Antwort auf die ganz großen Fragen der Menschheit. Darin liegt wohl auch eine Erklärung für seine Popularität: „Mein Ziel ist ein vollständiges Verständnis des Universums, warum es so ist, wie es ist und warum es überhaupt existiert.“ Und so wurde er eine Art Popstar der Wissenschaft, trat in „ Raumschiff Enterprise“ als er selber auf, und wirkte in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ mit. 2007 wagte er in einer Boeing 727-200 gar einen Flug in die Schwerelosigkeit, von dem er mit einem breiten Grinsen zurückkehrte.

Mit einem Leben nach dem Tod rechne er nicht: „Ich sehe das Gehirn als einen Computer an, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren. Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer. Das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.“

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Zur Person: Stephen Hawking

Leben Stephen William Hawking wurde am 8. Jänner 1942 (am 300. Todestag von Galileo Galilei, wie er nicht müde wird zu betonen) als Sohn einer Wirtschaftswissenschaftlerin und eines Tropenarztes geboren. Als er 22 war, wurde ein Nervenleiden (amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert, das ihn erst seiner Muskeln, später der Stimme und schließlich jeglicher Mobilität beraubte. Heute kommuniziert er mittels Infrarotsensor an seiner Brille, der mit einem Sprachcomputer verbunden ist. Hawking bedient ihn mit dem rechten Wangenmuskel.

Laufbahn Von 1979 bis 2009 war er Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge, den einst Sir Isaac Newton innehatte.

Lieben Hawking war in erster Ehe mit Jane Wilde verheiratet, hat zwei Söhne, eine Tochter und ein Enkelkind. 1995 heiratete er seine Krankenschwester Elaine Mason, von der er seit 2006 geschieden ist.

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