Gynäkologe soll 46 Frauen belästigt haben

Zentralbild/Patrick PleulARCHIV - In einer Arztpraxis in Frankfurt (Oder) hält am 20.02.2003 ein Arzt das Stethoskop in den Händen. Nach der City BKK steht laut «Financial Times Deutschland (FTD)» mit der BKK für Heilberufe die zweite Krankenkasse vor der
Foto: Zentralbild/Patrick Pleul Ausnützung des Autoritätsverhältnisses in 46 Fällen wird dem 64-Jährigen vorgeworfen

Ein steirischer Frauenarzt steht in Graz vor Gericht: Er soll in seiner Praxis 46 Frauen sexuell belästigt haben. Vorerst wurde vertragt.

Mit Schelten vom Staatsanwalt begann Donnerstag der Prozess gegen einen steirischen Frauenarzt allerdings für die Medien. „Eine mediale Hinrichtung steht nicht auf dem Programm“, tadelte Rudolf Fauler. „Das wäre höchst widerlich.“ Sein Anklagevortrag war knapp: Der Arzt habe 46 Patientinnen „sexuell stimuliert und teilweise zum Höhepunkt“ gebracht, das sei Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses.

Das ließ dem Verteidiger viel Raum. Sein Mandant habe die Beckenbodenmuskulatur geprüft: „Die kann man nur mit den Fingern untersuchen. Da kann es sein, dass ein Arzt an erogenen Zonen ankommt.“ Das könne als sexuelle Stimulation empfunden werden, „die vom Arzt aber nie gewünscht wurde“. Deshalb plädierte der 64-Jährige auf nicht schuldig. Was er noch zu sagen hatte, durften Zuhörer nicht erfahren: Die Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen, der Prozess wurde vertagt.

Die Aufdeckerin

Die Sprechstundenhilfe eines Allgemeinmediziners hatte den Fall ins Rollen gebracht. Der KURIER sprach mit der resoluten 47-Jährigen, die sogar im Verwandtenkreis fündig wurde. „Dann hat es mir bei Händen und Füßen rausgebrannt.“ Sie besorgte sich Dokumente aus dem Akt. „Das Beuteschema des Frauenarztes war offensichtlich immer das Gleiche. Schüchterne Frauen, Arbeitslose, Menschen mit wenig Selbstwertgefühl oder solche, die daheim Schwierigkeiten hatten.“

Immer sei es um sexuelle Stimulation gegangen, teils mit Geräten aus der Ordination. Die Erklärungen des Arztes seien fadenscheinig gewesen: Beckenbodenmuskeltest, Nerventest, Blasentest, Überprüfen der Libido...

2010 wurde der Fall publik. „Es hat aber vorher schon Anzeigen bei der Polizei gegeben. Seltsamerweise kam da nichts raus“, schildert die Steirerin. „Der Gerichtssachverständige kann die Handlungsweisen des Arztes nicht nachvollziehen. Sie seien nicht begründbar.“

 

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?