Griechenlands Wirtschaft: "Jetzt warten alle einmal ab"

Der Parthenon in Athen mit der Europaflagge im Vordergrund.
Grexit, Drachme, Bank-Run, Staatsbankrott: Die griechische Tragödie kennt dramatische Szenarien.

Wie schlecht Griechenland wirtschaftlich dasteht, zeigten erneut die Arbeitslosenzahlen: Im ersten Quartal des Schicksalsjahres 2012 waren 22,6 Prozent der Griechen ohne Job, bei den Jungen mehr als die Hälfte. Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr Geld vom Staat, danach sind sie auf sich allein gestellt.

Auf einen der wichtigsten Wirtschaftsmotoren können sie sich nicht mehr verlassen: Das Bauwesen leidet unter der Krise. Seit 2007 verloren mehr als die Hälfte der Bauarbeiter ihre Jobs. Auch hier eine stetige Abwärtsspirale. Es ist das fünfte Jahr der Rezession.

Ruhe muss einkehren

Österreichs Außenwirtschaftsdelegierter in Athen, Bruno Freytag, sieht aber im KURIER-Gespräch die Möglichkeit, dass Griechenland sich wieder saniert: "Dafür muss aber Ruhe und Stabilität eintreten. Die Unruhen vor und nach der Wahl sind schlecht für die Wirtschaft. Da will keiner investieren und weiterplanen. Jetzt warten erst einmal alle ab, was jetzt passiert."

Und was wird passieren? "Es wird wohl eine  Koalitions geben, aber bis die handlungsfähig ist, wird es etwas dauern", so Freytag.  Doch Zeit hat das Land nicht:  Schon Ende Juni steht die nächste Entscheidung über 11,5 Milliarden an Einsparungen  Euro bevor.

Dass die europäischen Geldgeber  das Spardiktat aufweichen könnten, sieht Freytag nicht:  "Vielleicht wird es einige Konzessionen geben, aber in der Hauptsache nicht. Es geht  darum, durch Reformen die Investitionsgrundlage wiederherzustellen. Das beginnt bei einfachen Dingen wie Buchhaltung und geht über Justiz und Bürokratie.  " Denn trotz allen Sparens nimmt der  Staat weit weniger ein, als er verdient. Der oberste Steuerfahnder des Landes verblüffte kürzlich mit der Aussage, das Problem wäre gelöst, wenn nur die Hälfte der ausstehenden Steuern eingetrieben werden könnte.  

Die Pensionisten können sich indes nicht mehr auf einen ruhigen Lebensabend freuen; Medikamente gibt es oft nur mehr gegen Bares.  Auch bei der Energie wird es knapp.

Ist das nicht einfach zu viel für die griechische Bevölkerung?  "Ja", sagt der Delegierte Freytag, "aus Sicht der Bevölkerung ist es zu viel. Aber was ist die Alternative? Der Staat hat ein Defizit. Er muss zwei Dinge tun: Sparen und Einnehmen. Viele trifft das hart und das kommt 2012 voll zum Tragen."

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