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Politik
09/28/2012

Germanwings-Flieger stand vor Katastrophe

Beim Landeanflug auf den Flughafen Köln im Dezember 2010 sollen beide Piloten des Passagierjets beinahe das Bewusstsein verloren haben.

Ein Airbus der Lufthansa-Billigtochter Germanwings ist im Dezember 2010 offenbar nur knapp einer Katastrophe entgangen. Aus einem Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU), über den am Freitag auch die Zeitung Die Welt berichtete, geht hervor, dass beide Piloten beim Landeanflug auf den Flughafen Köln einen ungewöhnlichen, süßlichen Geruch wahrnahmen und danach über körperliche und kognitive Beeinträchtigungen klagten. Der Co-Pilot sei nicht mehr in der Lage gewesen, die Maschine sicher zu landen, und auch der Pilot habe sich sehr schlecht gefühlt.

Kapitän "schwanden die Sinne"

Der Bericht macht deutlich, wie dramatisch die Situation im Cockpit war: Dem Co-Piloten wurde demnach übel, seine Arme und Beine begannen, sich taub anzufühlen, er hatte den Eindruck, nicht mehr klar denken zu können. Auch dem Flugkapitän wurde schwindelig. Er bemerkte, wie ihm "im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden". Nach der Landung wurde bei beiden Piloten im Rettungswagen eine sehr niedrige Sauerstoffsättigung im Blut gemessen.

Zwar meldete Germanwings im Dezember 2010 den Vorfall an die BFU. Nach Rücksprache mit der Fluggesellschaft erschien es der BFU aber als nicht notwendig, den Fall weiter zu untersuchen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Ein Jahr nach dem Ereignis hätten die Experten neue Informationen erhalten, die zu einer Untersuchung veranlasst hätten.

Germanwings wiegelt ab

Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes bestritt am Freitag, dass die Fluglinie den Vorfall heruntergespielt habe. "Wir haben nichts vertuscht", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Der Pilot habe noch im Cockpit ein Meldeformular ausgefüllt, und Germanwings habe den Vorfall selbst als gravierend eingestuft.

Der Copilot habe sich in der Tat unwohl gefühlt, sagte Schöttes. "Der Pilot, mit dem wir jetzt noch mal gesprochen haben, sagt, er habe kurzfristig leichte Beeinträchtigungen gehabt, die sofort nach dem Aufsetzen der Sauerstoffmaske nachgelassen haben. Er habe jederzeit alles unter Kontrolle gehabt."

In dem BFU-Zwischenbericht steht es anders. Und ein weiteres brisantes Dokument belegt das laut Welt. Nach einem Bericht des Medizinischen Dienstes der Lufthansa vom 7. Juli 2011 hat ein Fliegerarzt des Unternehmens den Ersten Offizier ein halbes Jahr nach dem Vorfall untersucht und die "vollständige Einsatzfähigkeit" bescheinigt – aber erst nach einer sechsmonatigen Untauglichkeit. Vorher musste sich der Pilot über mehrere Wochen in psychologische Behandlung begeben.

Der Flugzeugführer machte auch Vorwürfe gegenüber Germanwings. So seien "seines Wissens keine adäquate Maßnahmen der Flugbetriebsleitung auf den Vorfall" erfolgt, eine Flugunfalluntersuchung habe es nicht gegeben. "Plötzlich sei der Vorfall Verschluss-Sache gewesen" und "beim Verkehrsministerium in Untersuchung", zitiert der Arzt den Piloten. Luftfahrtexperten vermuteten hinter dem Geruch zudem giftige Öldämpfe.

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