Frankreich: Vierfach-Mord wegen Familienstreit?

Eines der Mordopfer, der erschossene Familienvater Saad al-Hilli, hat anscheinend Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt.
Ein Gendarm steht neben einem Schild, das auf eine gefährliche Waldstraße hinweist.

Zwei Tage nach dem rätselhaften Verbrechen mit vier Toten in den französischen Alpen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Am Freitag sollten laut Rundfunk die Leichen obduziert und ein Aufruf nach Zeugen gestartet werden. Auch werde man versuchen, die zwei überlebenden Mädchen "vorsichtig" zu befragen. Unterdessen gibt es Indizien, dass der Bluttat ein Familienstreit zugrunde liegt.

Der ermittelnde Staatsanwalt Eric Maillaud sagte am Donnerstag laut Agenturberichten, eines der Mordopfer, der erschossene Familienvater Saad al-Hilli, habe anscheinend Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt. "Diese Information scheint seriös zu sein, sie stammt von der britischen Polizei." Der Bruder müsse nun "sehr lange" befragt werden.

Bruder beteuert Unschuld

Zugleich warnte Maillaud, voreilige Schlüsse zu ziehen. Es müsse die Frage gestellt werden, ob Geldstreitigkeiten tatsächlich Anlass für einen Vierfachmord sein könnten. Es werde daher jede Spur akribisch verfolgt. Nach Angaben aus französischem Polizeikreisen hat sich der Bruder des Mordopfers bei der britischen Polizei gemeldet und seine Unschuld beteuert.

Bei dem kaltblütigen Mord waren am Mittwochnachmittag auf einem Waldparkplatz in der Nähe von Annecy der 50 Jahre alte Saad al-Hilli, seine Frau, seine Schwiegermutter und ein Radfahrer, der vermutlich zufällig am Tatort vorbeifuhr, erschossen worden. Alle vier Opfer wurden durch Schüsse in den Kopf getötet. Das lässt auf einen Profikiller schließen, die Behörden wollten dies aber noch nicht bestätigen.

Töchter des Paares überlebten

Wie durch ein Wunder überlebten die beiden kleinen Töchter des getöteten Paares, eine schwer-, die andere unverletzt. Das schwer verletzte siebenjährige Mädchen wurde in ein künstliches Koma versetzt. Die Vierjährige wurde erst Stunden nach der Tat unverletzt unter der Kleidung ihrer toten Mutter im Inneren des Autos gefunden. Die Opferfamilie ist irakischer Abstammung und lebte in Großbritannien, die Großmutter war schwedische Staatsbürgerin. Bevor die Identität der Opfer offiziell bestätigt wird, müssen noch DNA-Proben und Fingerabdrücke verglichen werden.

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