Frankreich: Hollande macht das Rennen

Die Vorwahl der Sozialisten entschied, wer als roter Präsidentschaftskandidat antritt. Francois Hollande wird 2012 Sarkozy herausfordern.

Francois Hollande wird wohl der nächste sozialistische Präsidentschaftskandidat in Frankreich. 

 Klicken Sie sich durch den Vorwahlkampf... Am Sonntag konnten sich die Franzosen in insgesamt 9474 Wahlbüros auf dem französischen Mutterland an der Wahl ihres roten Kandidaten für das Jahr 2012 beteiligen. Nach Auszählung von rund einem Drittel der Stimmen bei der Stichwahl stimmten 56,54  Prozent für Hollande... ...und 43,46 Prozent für dessen Konkurrentin Martine Aubry.  Ein Endergebnis wird zwar erst für Montag erwartet, doch Aubry erkannte bereits Hollandes Sieg an. Favorit Hollande hatte sich schon zuvor zuversichtlich gezeigt und stellte sich bereits auf den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf gegen Nicolas Sarkozy ein. Gegen Sarkozy anzutreten, wird ohnehin kein Leichtes sein. Einerseits wurden die Sozialisten gebeutelt durch den Fall Strauss-Kahn… …andererseits dominiert Sarkozy zurzeit die Schlagzeilen, wird doch sein erstes Kind mit Ex-Model Carla Bruni sehr bald zur Welt kommen. Doch auch Sarkozys UMP strauchelt: Eine Serie von Enthüllungen über Skandale im Umkreis des Präsidenten und ein sehr angespanntes Verhältnis zu Journalisten macht den Konservativen das Leben schwer. Hollande setzte auf Pragmatismus: „Je stärker die Mobilisierung sein wird und je klarer der Sieg sein wird, umso größer werden die Chancen unseres Kandidaten sein, im Jahr 2012 zu siegen. Die Wahlbeteiligung war in der Tat ein entscheidender Faktor bei dieser Stichwahl. Insgesamt beteiligten sich knapp drei Millionen Franzosen an dem Votum - die Sozialisten war stolz auf diese Beteiligung. Das Votum stand erstmals allen Bürgern offen, die in die Wählerlisten eingeschrieben sind, sich schriftlich zu den linken Werten bekennen und mindestens einen Euro Spesenbeitrag zu den Unkosten der Wahlorganisation zahlten. Standen sich in der ersten Runde der Vorwahl noch sechs teilweise sehr unterschiedlich orientierte Politiker gegenüber wie etwa der Globalisierungskritiker Arnaud Montebourg (Bild), oder Manuel Valls vom rechten PS-Flügel, ... ...so erschienen die ideologischen Unterschiede zwischen Hollande und Aubry beim zweiten Durchgang schon viel schwieriger zu definieren. Benachteiligt wurde Aubry von Anfang an durch den Umstand, dass sie erst dann in das Rennen um die Präsidentschaft eintrat, als der von ihr unterstützte Kandidat Strauss-Kahn zurücktreten musste. Stauss-Kahn ist bekanntlich über Sex- und Vergewaltigungsvorwürfe gestürzt. Obwohl er nun nicht mehr juristisch belangt wird, gerät er dennoch weiter in die Defensive. Sein mutmaßliches Opfer Tristane Banon hat gerade ein Buch veröffentlicht. Hollande hatte hingegen schon Monaten zuvor seine Absicht einer Kandidatur angekündigt. Daraufhin sah sich die PS-Chefin zu einem beinahe unmöglichen politischen Spagat gezwungen: Sie hatte mit Strauss-Kahn den wirtschaftsliberalen Flügel der PS unterstützt und wollte sich als Konkurrentin Hollandes dann in der Linken der Partei verankert sehen. Die Franzosen schienen offenbar nicht von der Aufrichtigkeit dieser politischen Verwandlung überzeugt zu sein.

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(apa/afp / csm) Erstellt am
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