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Politik
05/04/2012

Frankreich: Bayrou will für Hollande stimmen

Der Zentrumspolitiker wird seine Stimme dem Sozialisten geben und übt Kritik an Sarkozys Jagd auf rechtsextreme Wähler.

Der französische Zentrumspolitiker Francois Bayrou will seine Stimme bei der Stichwahl um die Präsidentschaft am Sonntag dem Sozialisten Francois Hollande geben. Dies sei eine persönliche Entscheidung, erklärte Bayrou am Donnerstagabend in Paris. Er gebe den Anhängern seiner Partei Demokratische Bewegung (MoDem) keine allgemeine Wahlempfehlung, jeder solle nach seinem Gewissen entscheiden.

Bayrou hatte im ersten Durchgang der Präsidentenwahl am 22. April knapp zehn Prozent der Stimmen auf sich vereint. Seither versuchten der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und der in den Umfragen führende Hollande, für die Stichwahl die Wähler aus anderen politischen Lagern für sich zu mobilisieren. Bayrou warf Sarkozy vor, er habe rechtsextremen Wählern hinterherjagen wollen. "Dort finden wir uns nicht mit unseren Werten wieder", sagte der Zentrumspolitiker.

Le Pen wählt weiß

Die Rechtsextreme Marine Le Pen, die in der ersten Wahlrunde fast 18 Prozent erreicht hatte, rief ihre Wähler bereits indirekt zu einem Protestvotum auf. Sie seien "frei" und ihrem "Gewissen" verpflichtet, sagte sie; sie selbst werde aber einen "weißen" Stimmzettel als Zeichen des Protests abgeben. Weder Sarkozy noch Hollande hätten das Vertrauen der Franzosen verdient.

Die Abgabe eines "weißen" Stimmzettels lehnte der MoDem-Vorsitzende ab. Dies bedeute eine "Nicht-Entscheidung", und dies sei unter den jetzigen Umständen für ihn kein Weg, sagte Bayrou. Der 60-Jährige war angetreten, in Frankreich eine "neue Mehrheit" in der Mitte zu organisieren. Im Wahlkampf warb er für eine Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit.

Umfragen für Hollande

Auch laut den letzten Umfragen hat der Sozialist Francois Hollande die besten Chancen seinen Kontrahenten in der Stichwahl um das französische Präsidentenamt zu schlagen. Nach am Freitag veröffentlichten Zahlen kann der 57-Jährige an diesem Sonntag auf 52,5 bis 53,5 Prozent der Stimmen hoffen. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy würde demnach auf 46,6 bis 47,5 Prozent kommen.

Die Meinungsforscher wiesen allerdings darauf hin, dass der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten zuletzt schrumpfte. In sämtlichen Umfragen machte der Konservative Sarkozy im Verlauf der vergangenen Tage Boden gut und gewann zwischen einem und zwei Prozentpunkten.

In der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl sind am Wochenende rund 46 Millionen Franzosen aufgerufen, das Staatsoberhaupt für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Sollte Hollande gewinnen, käme 17 Jahre nach dem Ende der Amtszeit von Francois Mitterrand erstmals wieder ein Sozialist an die Macht.

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