Fidel Castro ist 85

"Socialismo o Muerte": Fidel Castro hat sich für den Sozialismus entschieden. Am Samstag feiert der Maximo Lider Geburtstag. Die wichtigsten Stationen im Überblick.

Fidel Castros Geschichte ist auch die Geschichte Kubas. Er stand 49 Jahre lang an der Spitze des Inselstaats, wurde Maximo Lider genannt, oder Comandante en Jefe. Zahlreiche Attentate hat er überlebt. Am Samstag wird Castro 85 Jahre alt. Am 13. August 1926 wird Fidel Alejandro Castro Ruz im ostkubanischen Biran geboren (im Bild: sein Geburtshaus). Er ist der Sohn eines Zuckerrohrplantagenbesitzers und einer Haushälterin. Manche Quellen gehen auch vom Geburtsjahr 1927 aus, er könnte für die Einschulung älter gemacht worden sein. Im Oktober 1948 heiratet Fidel seine erste Frau, Mirta Diaz-Balart (im Bild mit Fidel Jun.). Die Ehe wird 1955 geschieden. 1950: Der promovierte Jurist eröffnet eine Anwaltskanzlei in Havanna (im Bild: 1947 bei einem Studentenprotest). 26. Juli 1953: Er führt einen Aufstand gegen Diktator Fulgencio Batista (Bild) an, der Angriff scheitert aber. Castros Todesstrafe wird später in 15 Jahre Haft umgewandelt. Sein legendäres Plädoyer: "Die Geschichte wird mich freisprechen." Nach zwei Jahren hinter Gittern darf er das Land verlassen. In Mexiko lernt er den aus Argentinien stammenden Revolutionär Ernesto "Che" Guevara kennen. Am 1. Jänner 1959 stürzen Castro und seine Mitkämpfer nach zweijährigem Revolutionskrieg Diktator Batista. Castro verkündet den Sieg der Revolution. Im Februar 1959 wird Castro Ministerpräsident; Staatschef wird er erst 1976. Anfangs ist das Verhältnis des Revolutionärs zu den USA weit entspannter. Sein erster Staatsbesuch etwa galt den Vereinigten Staaten. Er wollte Präsident Eisenhower treffen, dieser schickte aber nur seinen Vize Richard Nixon (Bild). Die Beziehungen zu den USA kühlten schnell ab. Im April 1961 kam es zur Invasion in der Schweinebucht. Mit Hilfe der CIA versucht eine Söldnertruppe von Exilkubanern, das Regime zu stürzen. Castros Revolutionsarmee schlägt die Invasion zurück (im Bild: Castro bei einem öffentlichen Prozess gegen Teilnehmer an der Invasion). 14. Oktober 1962: Ein US-Aufklärungsflugzeug fotografiert auf Kuba sowjetische Raketenabschussanlagen. Damit beginnt die Kuba-Krise, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs führt. Sie wird Ende des Monats beendet, die Raketen werden abtransportiert. Nach späteren Medienberichten befürwortete Castro in einem Brief an Kreml-Chef Nikita Chruschtschow einen nuklearen Erstschlag gegen die USA im Falle eines erneuten Invasionsversuchs. Kubas ehemaliger Geheimdienstchef gab einmal an, er habe insgesamt 638 Attentate gezählt, die das Ziel hatten, Castro zu töten. Dabei seien nicht nur Bomben oder Schusswaffen eingesetzt worden, auch Gift in Zigarren, Chemikalien oder Drogen seien verwendet worden. Tatsächlich dürften es weit weniger Attentate gewesen sein. 1980 heiratet Castro Dalia Soto del Valle (im Bild). Die Ehe wird erst später bekannt. Das Paar bekommt fünf Söhne. Der Zusammenbruch des Ostblocks und die Auflösung der Sowjetunion stürzen Kubas Wirtschaft in eine schwere Rezession. Castro erlaubt von 1993 an beschränkte Privatinitiativen, auch um Devisen und ausländische Investoren ins Land zu holen. 2004 stürzt Castro im Alter von 78 nach einem öffentlichen Auftritt eine Treppe hinunter - die Zeitungen schreiben vom "Sturz" Castros. Seine Kniescheibe ist zertrümmert, ein Arm gebrochen. Doch Castro scheint unkaputtbar. Zwei Jahre später gibt Castro dann doch wegen gesundheitlicher Probleme die Führung des Staates an seinen jüngeren Bruder Raul ab - vorläufig, wie es heißt. Erst viel später, nämlich im November 2010, erklärt er erstmals, dass er schon zu diesem Zeitpunkt alle Führungsämter abgab, auch die des Parteichefs. Er ist aber weiterhin der eigentliche Machthaber im Hintergrund. Die Nationalversammlung bestimmt Raul Castro nun auch formell zum neuen Staats- und Regierungschef. Fidel hatte zuvor endgültig seinen Verzicht erklärt. Der Politiker bestätigt sein Ausscheiden aus der Führung der Kommunistischen Partei (KP). Beim Parteikongress übernimmt Raul Castro nun auch formell den Posten als Erster Sekretär des Zentralkomitees der KP. Fidel Castro ist zu einem Übervater Kubas geworden, auch unterstützt durch den Personenkult um ihn. Doch auch seine Revolution hat ein Ablaufdatum: Die Kubaner sind arm und ein Großteil wünscht sich wirtschaftliche Veränderung – sie sind froh über die zaghafte Öffnung hin zu mehr Marktwirtschaft. Zwar gestand Castro im September des vergangenen Jahres, das kubanische Modell tauge nicht mehr, aber nur um kurz darauf zu behaupten, der Sinn seiner Worte sei gewesen, dass der US-Imperialismus am Ende sei. Denn am Elend Kubas sind seiner Meinung nach allein die USA schuld, die den kleinen kommunistischen Inselstaat in der Karibik mit Sanktionen in die Knie zwingen wollten. Die Hoffnung vieler Kubaner liegt im bodenständigeren Raul Castro. Von langer Hand, ohne große Transparenz und in kleinen Schritten hat Raul Reformen in Form von neuen Leitlinien der Wirtschaftspolitik eingefädelt.
(KURIER/APA/ / csm) Erstellt am
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