Fall Oliver: Wiedersehen vor dem Richter
Der 29-Jährige wurde zu 20 Monaten bedingter Haft verurteilt.
Am Dienstag kam es vor dem Bezirksgericht im dänischen Helsingor zum Showdown. Erstmals, nachdem Thomas Sörensen seinen Sohn Oliver in der Steiermark mitgenommen und in den Norden Dänemarks geflüchtet war, trafen Mutter und Vater aufeinander. Da die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen war, blieb unklar, wir frostig die Stimmung zwischen beiden war. Frühestens in zwei Wochen dürfte dann feststehen, ob Oliver wieder zu seiner Mama darf. Das Urteil soll schriftlich ergehen.
Der Fünfjährige wurde im April von seinem Vater, einem Dänen, vor seinem Kindergarten in Graz geschnappt und nach Dänemark gebracht. Seither tobt ein Rechtsstreit: Beide Elternteile beharren darauf, nach dem Recht ihres jeweiligen Landes die Obsorge zu besitzen. Sie werfen dem jeweils anderen vor, das Kind entführt zu haben. Das Bezirksgericht Helsingor entscheidet nun über den Antrag der Mutter auf Rückführung des Buben nach Österreich. Für Donnerstag ist ein zweiter Prozesstag angesetzt.
Appell
In Graz zittern indes Freunde und Verwandte von Oliver mit seiner Mama Marion Weilharter mit. „Das ist so gemein vom Papa vom Oliver", sagt Mario, 6. „Der Oliver hat sein Spielzeug dalassen müssen. Und sein Fahrrad." Mario ist Olivers bester Freund im Fußballverein. „Wir reden natürlich noch über ihn", schildert Marios Mama Barbara Pirrer. „Nicht jeden Tag, aber es kommt vor, zum Beispiel, wenn wir zum Fußballtraining fahren. Mario sagt dann immer, hoffentlich kommt der Oliver bald zurück, er verpasst ja hier so viel."
Die Grazerin ist mit der Familie Weilharter befreundet. „Fünf Monate ist Oliver weg. Das ist doch ein Wahnsinn", sagt sie. „Wenn mein Kind fünf Monate weg ist, dann laufe ich Amok. Das ist so schlimm, dass die Marion nicht einmal weiß, wie es ihrem Kind geht."
Marion Weilharter und ihre Eltern appellieren indes auch an die österreichischen Mandatare im EU-Parlament und bitten um Unterstützung. „Niemand hilft uns", klagen Gerlinde und Hanns Weilharter. „Unsere Tochter ist legal aus Dänemark ausgereist, hatte immer die alleinige Obsorge für Oliver."
„Schwer traumatisiert“
Sie befürchteten „das Schlimmste", mahnen die Großeltern: Oliver sei bereits schwer traumatisiert, er klinge traurig und teilnahmslos, wenn er mit seiner Mutter telefonieren darf. „Wenn von österreichischer Seite nicht mehr Druck auf Dänemark gemacht wird, wird unser Enkel ohne Mutter aufwachsen müssen."
Olivers bester Freund im Kindergarten war
Thomas. „Er hat geheult, versteht bis heute nicht, was Oliver angetan wurde", sagt seine Mutter Ulli Rother. „Wir vermissen Oliver. Ich wünsche Marion, dass sie gutes Durchhaltevermögen hat. Wir schicken ihr unsere Energie." Bereits in drei Wochen gibt es einen weiteren Prozess in Graz: Thomas Sörensen wird von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung und Nötigung angeklagt. Sein Erscheinen ist noch fraglich.
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