"Es reicht": Hunderttausende beteiligten sich an Protesten

Weltweit wurde am Samstag gegen die Folgen der Finanzkrise protestiert. In Wien verhalten, in Rom mit Ausschreitungen und in New York gab es Festnahmen.

Hunderttausende Menschen haben am Samstag weltweit gegen die Auswüchse des Finanzmarktes demonstriert. Vorbild für die Proteste waren die Dauerkundgebungen der vergangenen Monate in New York und Madrid. 

Bild: Demos am Times Square in New York Allein am Protestzug in New York nahmen Veranstalterschätzungen zufolge 50.000 Menschen teil. Dabei kam es auch zu einigen Verhaftungen. Die Polizei nahm mehr als 70 Menschen fest. Die meisten Festnahmen gab es nahe dem Times Square, als sich eine Gruppe von Demonstranten laut Polizei weigerte, eine Nebenstraße freizumachen. In der spanischen Hauptstadt Madrid setzten die "Empörten" genau fünf Monate nach ihrem Entstehen die Proteste fort. 

Bild: Puerta del Sol in Madrid Zehntausende Menschen demonstrierten im Herzen der spanischen Hauptstadt gegen die Macht der Banken. Auch in Österreich gab es über den Tag verteilt Kundgebungen in Steyr, Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck und Salzburg. In Wien begann der globale Protesttag verhalten. So ging es im Wiener Museumsquartier eher gemütlich zu. Bei einer Vordemo auf dem Heldenplatz nahmen laut Polizei 100 Personen teil. Bis 15.45 Uhr hatten sich vor dem Westbahnhof 300 Aktivisten gesammelt, um gemeinsam zum Ballhausplatz zu ziehen. Gegen 19 Uhr marschierten bereits rund 1400 Personen in die Innenstadt. In Graz sprach bei einer Kundgebung am Mariahilferplatz der ehemalige Resistance-Kämpfer Stephane Hessel - Autor der Streitschrift "Empört Euch!" (Bild). In Salzburg fanden sich rund 200 Teilnehmer zu einer friedlichen Protestaktion vor der Filiale der Nationalbank in der Franz-Josef-Straße ein. Auch in Innsbruck und Linz verliefen Protestmärsche ohne Zwischenfälle. Anders in Rom: Hier nahmen rund 200.000 Menschen an einer Großdemonstration von Kapitalismuskritikern und Gegnern der italienischen Regierung von Silvio Berlusconi teil. Die Demonstranten versammelten sich auf der Piazza della Repubblica, um sich an der Protestkundgebung zu beteiligen. Am Rande der Kundgebung kam es zu Ausschreitungen. Vermummte Mitglieder anarchistischer Bewegungen beschädigten Bankenfilialen, Arbeitsämter, Tankstellen und den Sitz des Steueramts. Mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffneten Jugendliche setzten Dutzende von Autos in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Bei den Zusammenstößen wurden mindestens 70 Personen verletzt. Schärfste Sicherheitsvorkehrungen waren aus Sorge vor Krawallen ergriffen worden. 2000 Polizisten wurden unter anderem zum Schutz von Banken und anderen Institutionen eingesetzt. Vier U-Bahn-Stationen wurden gesperrt. Die Demonstranten wurden daran gehindert, sich dem Parlament und dem Regierungsgebäude zu nähern. 20 Personen wurden festgenommen. In London kam es zu Rangeleien von Demonstranten mit den eingesetzten Polizeikräften, als einige der etwa 800 Teilnehmer der dortigen Kundgebung sich in Richtung der abgesperrten Börse bewegten. Die Demonstranten skandierten "Die Straßen gehören uns!". Unter den Demonstranten in London war auch der Wikileaks-Gründer Julian Assange. Auch vor der EU-Kommission in Brüssel wurde protestiert. Rund 6000 Menschen marschierten am Samstag durch die Innenstadt der belgischen Hauptstadt. Darunter waren auch Aktivisten der spanischen Bewegung der "Indignados" (Deutsch: Empörten), die zu Fuß von Madrid nach Brüssel gekommen waren. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main kamen nach Polizeiangaben rund 5000 Menschen zu einer Protestkundgebung an der Europäischen Zentralbank (EZB). In Berlin zogen mehr als 5000 Protestierende vom Alexanderplatz in Richtung des deutschen Kanzleramtes. Auch in Köln, Hannover, Leipzig und München gab es Proteste. Nach Angaben des Anti-Globalisierungsnetzwerks Attac nahmen 40.000 Menschen teil. In Lissabon gingen mehr als 40.000 Demonstranten auf die Straße, um gegen das Finanzsystem und die konservative Regierung Portugals zu protestieren. Auch in der zweitgrößten Stadt Portugals, Porto, marschierten rund 20.000 Menschen. Die Proteste verliefen in beiden Städtern friedlich. In Zürich besetzten einige hundert Personen den Paradeplatz im Finanzviertel. Sie demonstrierten friedlich gegen das Finanzsystem und die politische Elite. 

Bild: Proteste in Zürich, Schweiz Seinen Anfang nahm die Bewegung in den USA: In zahlreichen US-Großstädten protestieren seit Mitte September regelmäßig Tausende Menschen gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum und die anhaltende Arbeitslosigkeit. 

Bild: Demo-Befürworterin in Philadelphia, USA Jetzt scheint der Funke übergesprungen zu sein. 

Bild: Demonstrant in Taipei, Taiwan Den Auftakt für die globalen Proteste am Samstag hatten Demonstranten in Neuseeland und Australien gemacht. In Sydney protestierten rund 2000 Menschen - darunter zahlreiche Ureinwohner Australiens - vor der Notenbank. 

Bild: Proteste in Sydney, Australien Auch in der philippinischen Hauptstadt Manila und in Seoul in Südkorea wurde demonstriert. In der japanischen Hauptstadt Tokio gingen etwa 100 Menschen auf die Straße. 

Bild: Kleiner Demonstrant in Tokio Eindrücke der weltweiten Demos ... aus Seoul Demonstrationen in Seoul Demonstrationen in Seoul Demos in Sydney, Australien Demonstrant in Hong Kong Proteste vor der Börse in Hong Kong Demonstrationen in Zürich, Schweiz Protestaktionen in Zürich Kreativer Demonstrant in Zürich Protestnote in Frankfurt am Main Demozug in London Demoteilnehmer in Bukarest, Rumänien

Mehr zum Thema

(apa, ap / mn, tan) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?