Erstmals Gewalt gegen Spaniens "Empörte"

Die Polizei setzte zum ersten Mal Schlagstöcke gegen die Demonstranten in Madrid ein. Ein Zusammenhang mit dem Weltjugendtag wird vermutet.

Die spanische Polizei ist erstmals gewaltsam gegen Demonstranten der "Bewegung 15. Mai" in Madrid vorgegangen. Eine Gruppe, die sich in der Nacht zum Freitag vor dem Innenministerium versammelt hatte, wurde mit Schlagstöcken auseinandergetrieben. Nach Medienangaben wurden 20 Menschen, darunter sieben Polizisten, leicht verletzt. Die Ordnungshüter sollen eingeschritten sein, als mehrere Demonstranten den Gitterzaun am Ministerium hinaufkletterten. Mindestens drei Demonstranten seien verhaftet worden. Die "Empörten" ("Indignados") demonstrieren seit dem 15. Mai gegen die Macht der Banken und für einen sozialen und politischen Umbruch. Die Demonstranten hatten in den vergangenen Tagen versucht, sich wieder auf dem Platz Puerta del Sol im Herzen Madrids zu versammeln. Dort hatten sie im Mai und Juni fast einen Monat lang ein Protestcamp organisiert. Die Polizei riegelt jedoch seit Dienstag alle Zugänge zu dem Platz ab, um zu verhindern, dass die Demonstranten dort wieder zusammenkommen. Am Dienstagmorgen hatte die Polizei die letzten auf dem Platz verbliebenen "Empörten" ohne Gewaltanwendung vertrieben. Die Polizeiaktion löste jedoch erneute Proteste Hunderter überwiegend jugendlicher Menschen aus, die seitdem jeden Tag durch die Straßen im Stadtzentrum marschieren. Die "Indignados" sehen den Grund für die Räumung der Puerta del Sol im bevorstehenden Weltjugendtag vom 16. bis 21. August an dem auch Papst Benedikt XVI. teilnehmen wird. Mehr als eine Million Gäste werden dazu in Madrid erwartet. "Man sieht uns als Störfaktor an, der dem Ansehen Spaniens schaden könnte, wenn weltweit Millionen von Zuschauern an ihren Fernsehern den Papstbesuch sehen werden", sagte eine Sprecherin der Protestbewegung. Auch die Einnahmen durch den Tourismus sehen viele Gastronomen gefährdet.  Außerdem bewirbt sich Madrid als Austragungsort der Olympischen Spiele 2020, weshalb man im Ausland einen positiven Eindruck hinterlassen möchte.
(apa) Erstellt am
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