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Politik
05/01/2012

EM in Österreich: Absage für Vorstoß

Wegen zunehmender Kritik an der Regierung in Kiew brachte ein deutscher Politiker Österreich als Ersatz-Austragungsort ins Spiel.

Noch eine Fußball-Europameisterschaft in Österreich, wenn auch ohne Beteiligung der Österreichischen Nationalmannschaft – das stand am vergangenen Wochenende kurz im Raum. "Man sollte überlegen, ob neben dem Austragungsort Polen nicht auch in Österreich oder Deutschland gespielt werden kann", hatte der Innen- und Sportminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, der Mitteldeutschen Zeitung vorgeschlagen. Doch die Idee wurde prompt von allen Seiten abgewunken: "Organisatorisch ist das überhaupt nicht machbar", ließ ÖFB-Präsident Leo Windtner dem KURIER ausrichten. Auch wenn große Teile der Infrastruktur von 2008 noch erhalten sind. "Es bedarf mehr als das."

Auch die UEFA erstickt die Idee im Keim: "Das bekäme man in so kurzer Zeit nicht hin", sagte Turnierdirektor Martin Kallen in der Süddeutschen Zeitung. Man beobachte die Situation. Der entscheidende Punkt sei aber die Sicherheit. Sollte es eine Verschiebung geben, dann nur eine zeitliche, so Kallen.

Freie Plätze

Gut fünf Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine droht einem der Austragungspartner die politische Isolation. Vor allem in Deutschland wird die Kritik an der Ukraine immer schärfer. Wie der Spiegelberichtet, erwägt Kanzlerin Angela Merkel sogar, ihren Ministern zu empfehlen, den Spielen der Europameisterschaft fern zu bleiben, wenn Julia Timoschenko nicht für eine Behandlung freigelassen wird (siehe unten) .

Unterstützung erhält die deutsche Kanzlerin für ihre Kritik an der Ukraine von Bundespräsident Joachim Gauck, der einer im Mai geplanten Konferenz mitteleuropäischer Staatschefs in Jalta im Mai fernbleiben wird. Ebenso wie Österreichs Präsident Heinz Fischer, der Tscheche Vaclav Klaus und der Slowene Danilo Türk. Der Fußballfan und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte seine Reise zur Fußball-EM ab. Auch Österreichs Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) fährt nicht zur EM. Zum KURIER sagte Darabos, er halte "einen politischen Boykott des Turniers für richtig". Seine Reise in die Ukraine war allerdings nie vorgesehen, nachdem Österreich an der EM nicht teilnimmt. ÖFB-Präsident Windtner sagte seine Reise zum Finale in Kiew wegen der politischen Situation ab.


 

 

Realitätsverweigerung

In der Ukraine scheint man die Boykottabsichten aus dem Westen nicht zu verstehen. Außenamtssprecher Oleg Woloschin meinte, er hoffe, dass es sich um eine "Zeitungsente" handle. "Man will gar nicht daran denken, dass die Staatsmänner Deutschlands fähig sind, die Methoden der Zeiten des Kalten Krieges wiederzubeleben", sagte er am Montag in Kiew. Deutschland mache "den Sport zu einer Geisel der Politik".

Co-Veranstalter Polen hielt sich in dem Streit bisher zurück. Weder Sportfunktionäre noch Politiker äußerten sich bis zum Montag kritisch dazu. "Wir sollten uns nicht in politische Konflikte einmischen", sagte der konservative polnische EU-Abgeordnete Pawel Kowal in der polnischen Gazeta Prawna.

 

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