Elsner vs. Flöttl: "Bauerntölpel" und "Vollidioten"

Ein zusammengesetztes Bild von zwei Männern vor unscharfen Hintergründen.
Elsner wird am Montag wieder nicht vor Gericht erscheinen. Was versäumt man, wenn er Flöttl nicht trifft?

Der eine fliegt aus New York ein, der andere wäre von der Kur in Bayern gekommen. Spekulant Wolfgang Flöttl hätte am Montag vor Gericht Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner getroffen. Doch wie Elsners Anwalt Jürgen Stephan Mertens Montagfrüh gegenüber der APA sagte, sei Elsner aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage. Der herzkranke 77-Jährige habe gestern Nacht einen Angina-Pectoris-Notfall gehabt und außerdem wieder Wasser in der Lunge, sagte Mertens.

Elsner hat schon mehrere Prozesstermine geschwänzt. Mit einem "wir verschieben heute auf morgen" hat sich Richter Christian Böhm bisher getröstet und den Optimismus versprüht, der 77-Jährige werde beim nächsten Mal kommen. Warum sollte er? "Weil ich ihn höflich darum bitte." Bis Böhm dann leider wieder ins Protokoll diktieren musste: "Festgestellt wird, dass Herr Elsner nicht erschienen ist."

Der KURIER skizziert aus bisherigen Begegnungen und dem, was die Herren Elsner und Flöttl einander gegenseitig schon haben ausrichten lassen, wie sich so ein Aufeinandertreffen anhört.

Getrennt

Richter Böhm hat schon längst dafür Sorge getragen, dass die beiden "nicht unmittelbar nebeneinander sitzen müssen". Zunächst will er von Elsner wissen, wovon dieser lebt: "Es bestehen an finanziellen Mitteln ca. 1300 Euro an Pension plus weitere 5000 Euro monatlich an privaten Zuwendungen von Freunden. Habe ich das so richtig verstanden?"

Elsner: "Das kann ich nicht sagen. Diesbezüglich müssen Sie meine Frau fragen."

Böhm lässt nicht locker, Elsner reagiert unwirsch: Der Richter sei wohl "pervers oder sadistisch" und außerdem "mit von der Partie ..."

Von welcher Partie? Von jener, die nach Elsners Ansicht Flöttls Betrügereien nicht aufdecken will. Womit wir mitten im Duell der einstigen Geschäftsfreunde sind.

"Ich habe den Eindruck, dass Flöttl die Bank über den Tisch gezogen hat", wirft Elsner den Fehdehandschuh.

"Bei allem Respekt", kontert Flöttl, "aber entweder im Bawag-Vorstand saßen Vollidioten." Nachsatz: "Das glaube ich nicht. Oder sie waren faul. Vielleicht. Oder sie haben bewusst in die Irre geführt. Herr Elsner stellt sich da her, als hätte er keine Ahnung gehabt."

"Das ist seine neue Taktik", tönt nun Elsner: "Dass er spekuliert, war klar. Aber nicht so, dass unser Kapital verschwindet. Um Verluste zu machen, braucht man keinen Flöttl. Ich wusste nicht, ob ich ihn umbringen soll, oder ob er sich selbst umbringt."

Flöttl: "Im Oktober 2000 teilte ich Elsner eine Abwärtsbewegung mit. Er sagte: ,Weitermachen!""

Elsner: "Flöttl hat Jus studiert. Er wusste, was er tat. Er ist ja kein Bauerntölpel ..."

Und diese beiden Herren sollen einmal befreundet gewesen sein, gemeinsame Urlaube in Flöttls Villa auf den Bahamas inklusive?

"Er hat sich selbst eingeladen, ich war wirtschaftlich von ihm abhängig", sagt Flöttl. Elsner: "Also ICH wollte eigentlich nicht auf die Bahamas reisen."

Wobei der von Flöttl gemietete Privatjet noch extra auf den Azoren zwischenlanden musste, damit Elsners Hund Monty Gassi gehen konnte.

Lustspiel

"Lächerlich", sagt Elsner. Und redet lieber darüber, wie ihn Flöttl mit dem Oscar-Wilde-Lustspiel "An Ideal Husband" nach London gelockt und ihm dann den Totalverlust von 1,5 Milliarden Euro gebeichtet habe.

Kurz darauf diktierte er Flöttl eine Erklärung, mit der dieser pro forma die Verantwortung übernehmen sollte: "Ich hab’ was konzipiert, wenn du’s selbst schreibst, einfach mit der Hand. Dass ma a Vereinbarung g’habt haben, die halt dann anders gelaufen ist, net? Die Ruth (Elsners Ehefrau, Anm.) wird was kochen, und wir besprechen das. Ich brauch’ das, damit ich die da (gemeint die Vorstandskollegen und der Aufsichtsrat, Anm.) beruhig’, verstehst?"

Flöttl: "Die haben aber keinen Zugriff darauf?"

Elsner: "Nein, das will ja niemand verwenden."

Flöttl: "Wunderbar."

Die Darsteller: Ex-Banker und Spekulant

Helmut Elsner Der Ex-Bawag-Chef ist rechtskräftig zur Höchststrafe von zehn Jahren Haft verurteilt, derzeit aber vollzugsuntauglich. Die Bawag möchte an seine eingefrorene Millionen-Abfertigung herankommen und verfolgt ihn deshalb mit einer Privatanklage wegen Betruges. Dieser Schuldspruch war vom OGH aufgehoben worden.

Wolfgang Flöttl Der Spekulant mit Wohnsitz New York hatte 1,5 Milliarden Euro der Bawag in den Sand gesetzt. Er war vom Erstgericht zu zweieinhalb Jahren teilbedingt (sechs Monate davon unbedingt) verurteilt worden. Der OGH hob das Urteil auf, seit Monaten läuft die Prozesswiederholung gegen Flöttl und sechs Mitangeklagte.

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