Eifersuchtsdrama im Elysée
Die bürgerliche Opposition gibt sich empört über "das Dallas im Elysée", die Sozialisten machen zerknirschte Mienen zu dieser "ersten schweren Panne" im Umkreis des neuen Staatschefs und die Medien ergehen sich in säuerlichen Mahnungen an den Präsidenten und lassen Psycho-Analytiker zum Eifersuchtsdrama rund um François Hollande dozieren.
Aber hinter vorgehaltener Hand amüsieren sich die meisten köstlich. Nach dem bleiernen Endlos-Wahlkampf der formatierten Berufspolitiker (am Sonntag hat die Bevölkerung vier Wahlgänge in den Knochen), passt diese allzu normale Beziehungskomödie haarscharf zur Ankündigung von Hollande, er werde eine "normale Präsidentschaft" absolvieren – im Gegensatz zu seinem meistens überkandidelten Vorgänger Nicolas Sarkozy.
First Girlfriend
Jetzt wissen es nämlich alle: Valérie Trierweiler, die Frau, die mit dem Staatschef unverheiratet zusammenlebt und deshalb bei einem Besuch in den USA als Hollandes "First Girlfriend" bezeichnet wurde, wird von einer verzehrenden Eifersucht gegenüber ihrer Vorgängerin Ségolène Royal geplagt.
Royal, die 28 Jahre lang – ebenfalls unverheiratet – mit Hollande zusammenlebte und die Mutter seiner vier Kinder ist, ringt in der Hafenstadt La Rochelle um ein Abgeordnetenmandat. Die für ihre Eigenwilligkeit geachtete SP-Politikerin (sie war 2007 Präsidentschaftskandidatin) könnte aber im zweiten Durchgang der Parlamentswahl an einem lokalen SP-Dissidenten, Olivier Falorni, scheitern. Falorni wird von einem Teil der – ebenfalls zerstrittenen – bürgerlichen Ortspolitiker aus Schadenfreude unterstützt.
Hollande, der Royal zur Parlamentspräsidentin machen will, lässt die SP-Führung in La Rochelle aufmarschieren, um ihr aus der Patsche zu helfen. Ein gewichtiges Argument: Die SP will die gesetzlich vorgeschriebene Parität zwischen Männern und Frauen voll erreichen, weshalb Falorni aufgefordert wurde, auf seine Kandidatur zugunsten von Royal zu verzichten.
Ausgerechnet in dieser Situation versandte Trierweiler per Twitter eine Unterstützungserklärung an den SP-Dissidenten. Falorni habe sich "uneigennützig für die Partei und seine Mitbürger engagiert", erklärte Trierweiler und desavouierte damit Hollandes Bemühungen. Die erfahrene Politjournalistin hatte vor dem Amtsantritt von Hollande gewarnt, sie werde sich mit keiner Statistenrolle begnügen.
Sie handle ausschließlich aus Loyalität gegenüber einem langjährigen Getreuen von Hollande.
Bitte um "Mundkuss"
Tatsächlich gehörte Falorni, wie auch Trierweiler, zum winzigen Kreis, der von Anfang an Hollande unterstützte, als die übrigen SP-Spitzen, darunter Royal, ihn noch als zweitrangig gering schätzten.
Aber ganz so edel dürften die Absichten von Trierweiler nicht sein, zumal sie auf alle Auftritte von Royal mit Hollande überspannt reagiert. Als etwa Hollande am Abend seines Wahlsiegs auf der Tribüne vor seinen Anhängern auch Ségolène umarmte, verlangte Trierweiler umgehend einen "Mundkuss" von ihrem François, der von den Fotografen verewigt wurde.
Bei seiner feierliche Amtsübernahme im Elysée wurde Royal nicht eingeladen – aus Angst vor einem Eklat mit Trierweiler, woraufhin auch die vier Kinder von Hollande, aus Solidarität mit ihrer Mutter, nicht erschienen. Vertraute erzählen, dass Hollande normalerweise nie im Beisein von Trierweiler mit Royal telefoniert, dass er aber zuletzt wegen der angespannten Situation in La Rochelle doch in Anwesenheit seiner Lebensgefährtin einen telefonischen Hilferuf seiner Ex-Partnerin entgegennahm. Und dass Trierweiler daraufhin, als Rache, ihre Sympathie-Erklärung an Falorni richtete. Der feinsinnige Hollande ahnte, was ihm bevorstand. Ende April erklärte Trierweiler: "François vertraut mir in allem, außer bei meinen Tweets".
Premier Jean-Marc Ayrault wies Trierweiler am Mittwoch zurecht: "Ich verstehe gut, dass der Anfang immer etwas schwierig ist, aber jeder muss auf seinem Platz bleiben."
Die drei: Valérie, Ségolène und François
François Hollande (57) und Ségolène Royal (58) waren 28 Jahre ein unverheiratetes Paar. Sie haben vier Kinder; alle heißen mit Nachnamen Hollande. Der Älteste, Thomas, ein Anwalt, ist heute 27 Jahre alt. Tochter Clémence (26) ist angehende Ärztin, Sohn Julien (25) macht Filme und die Jüngste, Flora (19), studiert Psychologie.
Valérie Trierweiler (47) war in zweiter Ehe mit dem Philosophen und Germanisten Denis Trierweiler verheiratet. Sie haben drei Söhne, heute 15, 17 und 19 Jahre alt und ließen sich wegen Hollande scheiden. Trierweiler arbeitet als Journalistin.
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