Die Angst vor den Kurt Krenns geht wieder um
Wer sich endlich Bewegung von oben in die festgefahrene Reformdebatte erwartet hatte, der kann den jüngsten "Hirtenbrief" der österreichischen Bischöfe nur als schroffe Absage empfinden. Denn sie sagen weiter stur zu allem Nein, was sich die Mehrheit der Katholiken schon seit dem "Kirchenvolksbegehren" 1995 im Gefolge der Affäre Groer wünscht: Mehr Offenheit im Umgang mit Zölibat und kirchlichen Sex-Geboten; mehr Mitsprache bei Bischofsernennungen und mehr Frauen in Ämtern – bis hin zum Priestertum.
Das vielfache Njet ist freilich in reichlich Watte verpackt. "Wir sind weiter im Gespräch und teilen weiter die Sorgen", sagt Kardinal Christoph Schönborn in Richtung Helmut Schüller und seine Pfarrerinitiative. Unter vier Augen Tacheles reden will er aber über die Streitthemen weiterhin nicht.
Außenstehende können bei diesem innerkirchlichen Eiertanz nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Warum rühren die Bischöfe das glitschige Thema dann neuerlich auf – zumal sie vor einem Jahr genau das Gleiche sagten?
Der Adressat des Hirtenbriefes heißt in Wahrheit nicht Helmut Schüller, sondern Joseph Ratzinger. Das Mahnschreiben an die Rebellen soll im, hinter den Kulissen angelaufenen, Bischofs-Vorwahlkampf gute Stimmung in Rom machen. Demnächst sind im Vatikan drei wichtige Bischofs-Ernennungen (Feldkirch, Salzburg und Graz) fällig. Katholische Hardliner machen in Rom für Kandidaten mobil, die mit Störenfrieden wie Schüller & Co. "aufräumen" sollen. Schönborn & Co. wollen signalisieren, dass sie die Lage im Griff haben. Ob ihnen Rom Glauben schenkt, werden die Katholiken bald wissen: Wenn der Papst neuerlich moderate Männer der Mitte, wie ihre Vorgänger Egon Kapellari oder Alois Kothgasser, zu Bischöfen kürt. Oder wenn die Kurt Krenns und Hans Hermann Groers von heute wieder Oberwasser erhalten.
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