Der Papst in Deutschland

Am vierten Tag seines Besuchs zelebrierte Benedikt XVI. die Abschlussmesse in Freiburg vor 90.000 Menschen.

Der vierte und letzte Tag des Papstbesuchs in Deutschland: Benedikt XVI lud zur Abschlussmesse in Freiburg. Dazu wurde nahe des Flugplatzes eine Altarbühne aufgebaut. Bei strahlendem Sonnenschein begann der Papst die Messe. Viele Gläubige hatten die Nacht am Flugplatz verbracht, um ihrem Kirchenoberhaupt nahe zu sein. Denn nicht nur kirchliche Würdenträger kamen zur Messe... ...stolze 90.000 Menschen fanden den Weg zu Benedikt XVI. Am Tag zuvor zelebrierte der Papst auf dem Erfurter Domplatz die Heiligen Messe. Knapp 28.000 Menschen jubelten ihm dabei zu. Am Freitagabend erteilte er seinen Segen im Eichsfeld in Etzelsbach auf der Altar-Buehne nahe der Wallfahrtskapelle. Groß waren die Erwartungen an den Papstbesuch in Berlin. Dementsprechend sorgfältig auch die Vorbereitungen. Letzte Flankerl wurden von dem roten Teppich entfernt ... ...bevor das Oberhaupt der Katholischen Kirche auf dem Flughafen Berlin Tegel seine Füße darauf setzte. Die Begrüßung des deutschen Bundespräsidenten Christian  Wulff vor dem Schloss Bellevue fiel herzlich aus: "Willkommen zu Hause, Heiliger Vater." Anschließend erinnerte er den Gast an die Probleme, vor denen die Kirchen stehen. Wichtig sei, dass sie den Menschen nahe blieben und sich trotz Sparzwängen und Priestermangel nicht auf sich selbst zurückzögen. "Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit", sagte Wulff. Ein großes Polizeiaufgebot begleitete Benedikt XVI. anschließend zum Deutschen Bundestag. Sein Auftritt war bereits im Vorfeld umstritten. Parlamentarier von SPD, Grünen und Linkspartei hatten die Rede als unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates bezeichnet. Der Papst wurde mit viel Applaus begrüßt. Er machte klar, dass er die Einladung auch als politische Würdigung des Vatikan versteht. Zu Beginn seiner Rede vor den Abgeordneten sagte er: "Die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt." Zum Missbrauchsskandal, zur Ökumene und zum Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion - in vielen Bereichen wünschten sich Freunde und Kritiker des Papstes klärende Worte. Dieser Wunsch wurde zumindest am ersten Tag der Reise jedoch enttäuscht. Parallel zur Papst-Rede protestierten unterdessen in Berlin mehrere Tausend Menschen gegen die Politik der katholischen Kirche. Unter dem Motto "Keine Macht den Dogmen" machten die Menschen ihrem Unmut Luft. Zahlreiche Demonstranten protestierten auch gegen die restriktive Haltung der katholischen Kirche zum Gebrauch von Kondomen ... ... und forderten mehr Akzeptanz für Homosexuelle. "Ich bin generell gegen die Kirche - sie ist Abzocke", sagte ein Berliner, der auch "wegen seiner eigenen Homosexualität" an der Demonstration teilnahm. Andere Demonstranten warben für Atheismus. "Gottlos glücklich" hatte ein Augsburger auf sein T-Shirt geschrieben. Im schusssicheren Papamobil fuhr der 84-Jährige vom Bundestag anschließend ins Berliner Olympiastadion. Auf seinem Weg segnete der Papst Babys, die ihm sein Sekretär Georg Gänswein reichte. 61.000 begeisterte Anhänger jubelten ihm bei seiner Ankunft wie einem Popstar zu. Das Olympiastadion, in dem sonst der Bundesligist Hertha BSC spielt, war Kirchenangaben zufolge bis auf den letzten Platz ausverkauft. 800 Priester und Helfer und 84 Kardinäle und Bischöfe hatten sich zu dem glanzvollen Gottesdienst angemeldet. Der Begeisterung tat auch ein Regenguss keinen Abbruch. Eindringlich rief der Papst die Katholiken auf, trotz Negativschlagzeilen zu ihrer Kirche zu stehen. "Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen", beklagte der Papst in seiner stark theologisch geprägten Ansprache, die weltweit übertragen wurde. Auf drängende Fragen von deutschen Gläubigen etwa nach den Missbrauchsfällen, dem Zölibat und dem Umgang mit geschiedenen Christen ging er in seiner Predigt jedoch nicht ein. Überraschend hielt der Papst einen Teil der Liturgie in lateinischer Sprache. In Deutschland ist das heute nur noch in konservativen Kreisen üblich. Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger bemüht sich aber seit langem um eine Wiederbelebung des Kirchenlateins.

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(APA / tan, dk, csm) Erstellt am
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