Politik 11.01.2012

"Das ist durchaus auffallend"

Bis 1993 war Ephraim Kam Oberst im Militärgeheimdienst Aman. Heute ist er Vizedirektor des Forschungsinstituts für Nationale Sicherheit in Israel.

KURIER: Es häufen sich mysteriöse Vorfälle im Iran: Sind das Unfälle oder Anschläge?
Ephraim Kam: Wer kann das schon wissen? Alles in allem genommen ist das durchaus auffallend. Eine Häufung von Unfällen wäre aber glaubhaft: Wartung und Vorbeugung sind nicht die starken Seiten der iranischen Industrie. Und für einen 70-Millionen-Staat gibt es dort viel Militärindustrie, die eben hochexplosiv ist. Auch wir haben Unfälle – und nicht selten peinliche.

Wann ist dabei aber schon einmal ein hoher israelischer General umgekommen?
Der Tod von Hassan Mukadam (der iranische General starb Mitte November bei einer Explosion in einer Raketenbasis, Anm.) gibt schon zu denken: drei Unfälle in drei Wochen. Der Verdacht, dass zumindest bei einigen nachgeholfen wurde, liegt nahe. Was aber nicht so einfach wäre. Dazu gehört eine Menge Planung und Vorbereitung. Es läge nahe, dafür mehr als eine verantwortliche Kraft zu suchen.

Sehen Sie also mehrere Geheimdienste am Werk?
Möglich wäre eine Zusammenarbeit des israelischen Geheimdienstes mit westlichen, in erster Linie dem amerikanischen. Hinzu kommen noch innere oppositionelle Kräfte. Nicht die bekannte grüne Opposition, die mit Anschlägen, denen Iraner zum Opfer fallen, nichts zu tun hat. Es gibt aber iranische Organisationen im Ausland und kurdische Gruppen, die dazu in der Lage wären.

Ist Irans Atombombe eigentlich noch zu verhindern?
Die Iraner wissen, wie die Bombe gebaut wird, und sind auch fähig, dieses Wissen umzusetzen – also Uran anzureichern und spaltfähiges Material zu erhalten. Ob es einen politischen Beschluss gegeben hat, die Bombe zu bauen, ist schwer abzuschätzen. Es gibt keine direkten Anzeichen dafür, ist aber auch nicht auszuschließen.

Machen wirtschaftliche Sanktionen da noch Sinn?
Und ob. Wirtschaftlicher Druck kann den inneren Druck verstärken. Die Opposition – auch die Grüne Bewegung – kann dem Regime Grenzen setzen, wenn ein politischer Beschluss ansteht.

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Erstellt am 11.01.2012