Bolivien: Minister zum Protest gezwungen

Indigene marschieren gegen eine geplante Schnellstraße. Den Außenminister zwangen sie acht Kilometer lang, sie zu begleiten.

Als Boliviens Außenminister hat es David Choquehuanca (Bild) nicht leicht: Er musste unfreiwillig acht Kilometer bei einem Protestmarsch mitlaufen. Etwa tausend Amazonas-Indianer, die seit einem Monat zum Regierungssitz La Paz unterwegs sind, benutzten Choquehuanca als eine Art Schutzschild und passierten so eine Polizeisperre in Chaparina. Mehrere an dem Marsch beteiligte Frauen nahmen den Minister in ihre Mitte und zwangen ihn, acht Kilometer mitzumarschieren. In der Nähe von Yucumo, 320 Kilometer nordöstlich von La Paz, ließen sie ihn wieder frei. Ungefährlich ist der Protestmarsch nicht: Die Spannungen rund um eine geplante Schnellstraße durch Gebiete der Ureinwohner wachsen. Bei Rangeleien mit den Demonstranten wurden nach Angaben des Innenministeriums am Samstag vier Polizisten verletzt. Die Marschierer kampierten am Samstagabend außerhalb von Yucumo, nur einige hundert Meter von etwa 200 Gegendemonstranten entfernt, die den Marsch aufhalten wollten. Zwischen den beiden Gruppen waren mehrere Dutzend Polizisten postiert. Die Ureinwohner hatten ihren Protestmarsch von Trinidad im Zentrum des Landes bis zum 600 Kilometer entfernten La Paz am 15. August begonnen. Gespräche mit der Regierung von Präsident Evo Morales, die an dem Straßenbauprojekt festhält, scheiterten. Die von der linksgerichteten Regierung geplante Nord-Süd-Straße von Villa Tunari nach San Ignacio de Moxos ist gut 300 Kilometer lang und soll die Anbindung Boliviens ans benachbarte Brasilien verbessern. Sie soll unter anderem durch den eine Million Hektar großen Nationalpark Isiboro Secure gehen, in dem etwa 50.000 Indianer verschiedener Stämme leben. Das Naturschutzgebiet liegt östlich von La Paz am Rande des Amazonasregenwaldes.
(apa / csm) Erstellt am
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