Bettina Wulff klagt Google und Jauch

Die Ehefrau des früheren deutschen Präsidenten deckt Medien mit Klagen wegen Berichten über ihr Vorleben ein.
Annegret Kramp-Karrenbauer und Christian Wulff bei einer Veranstaltung.

Mehr als ein halbes Jahr ist seit dem unrühmlichen Rücktritt ihres Mannes vergangen. Jetzt aber eröffnet Bettina Wulff, Ehefrau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, ihre groß angelegte juristische Offensive. Wie die Süddeutsche Zeitung am Samstag berichtet, hat die 38-Jährige Klagen beim Hamburger Landgericht gegen Dutzende Medien und deren Vertreter eingereicht, darunter auch Schwergewichte wie der Stern, Google und Fernsehmoderator Günther Jauch. Mehrere Medienhäuser sollen bereits Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe bezahlt haben müssen. Jauch gab noch am Samstag klein bei und verpflichtete sich, keines der Gerüchte noch zu verbreiten.

Im Kern geht es um Gerüchte über das angeblich anrüchige Vorleben des First Lady. Gerüchte, die zuerst im Internet auftauchten, bald aber auch von großen Medien aufgegriffen wurden, die zumindest ausgiebig zuerst die Quellen aus dem Internet und bald darauf sich gegenseitig zitierten. Hinter der höchst erfolgreichen Verleumdung aber standen, wie die Zeitung nun aufdeckt, vor allem politische Motive.

Gegen Präsidenten

Inzwischen haben sich Internet-Blogger zu Wort gemeldet, die etwa der FDP nahestehen. Diese geben an, am persönlichen Schicksal Bettina Wulffs nicht interessiert gewesen zu sein. Vielmehr ging es um den in einflussreichen Kreisen der Regierung ungeliebten und gering geschätzten Präsidenten. Die Attacken gegen seine Frau, die schon zu Wulffs Amtsantritt 2010 losgingen, verstärkten sich rasant, als der Präsident selbst in den Strudel mehrerer Affären geriet. Es ging vor allem um private Vorteile und Vergünstigungen, die sich Wulff noch als Ministerpräsident von Niedersachsen mithilfe wohlhabender Freunde verschafft haben soll. Wulff geriet schließlich, auch durch seine völlig missglückte Reaktion auf die Vorwürfe, so stark unter Druck, dass er im Februar 2012 zurücktreten musste.

Die Süddeutsche hat nun die Spuren der Gerüchte rund um Bettina Wulffs Vorleben zurückverfolgt. Sie sollen in einflussreiche Kreise der niedersächsischen CDU führen.

Bettina Wulff hatte auch auf dem Höhepunkt der Affäre zu Jahresbeginn 2012 konsequent darauf verzichtet, zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Sie wollte die Gerüchte durch ein Dementi nicht noch weiter hochkochen lassen.

Sofort nach dem Rücktritt ihres Mannes begann die ehemalige PR-Beraterin ihre Offensive gegen den Rufmord vorzubereiten. Mit der Klagsflut ist nun der erste Höhepunkt erreicht, bald aber folgt der nächste. Noch im September soll ein Buch über ihr Leben erscheinen. Sie sehe sich gezwungen, der Zerstörung ihres Ansehens entgegenzuwirken.

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