Berlusconi-Politiker sorgt für Parkplatz-Eklat

Weil er seinen langjährigen Parkplatz einem Behinderten überlassen musste, rächte sich Antonio Piazza mit dem Messer. Pech nur, dass er dabei gefilmt wurde.
Ein Mann im Anzug gestikuliert während eines Interviews im Freien.

Beinahe täglich erschüttert ein neuer Korruptions- oder Privilegienskandal die politische Landschaft in Italien. Nun sorgt ein neuer Fall für Empörung: Antonio Piazza, Regionalpolitiker in Silvio Berlusconis Mitte-Rechts-Partei, wurde dieser Tage sein langjähriger Parkplatz weggenommen – was er nicht so einfach auf sich sitzen ließ.

Drei Jahre lang hatte Piazza seinen Jaguar jeden Tag auf dem Parkplatz in Lecco am Ufer des Comer Sees abgestellt. Im August wurde sein Abstellplatz überraschend zu einem Behindertenparkplatz umfunktioniert. Was ihn anfangs nicht weiter störte: Piazza stellte sich trotzdem auf seinen angestammten Parkplatz. Der neue Besitzer mit einem Behinderungsgrad von 85 Prozent fragte den Politiker höflich, ob er denn nicht wegfahren könnte. Doch Piazza weigerte sich, Scuderi blieb schließlich nichts anderes über, als den Politiker anzuzeigen. Die Polizei stellte ein Strafmandat von 80 Euro aus und forderte den Politiker auf, seinen Wagen woanders abzustellen. Piazza folgte trotz anfänglicher Proteste ("Ich habe eine behinderte Person mitgenommen"), doch innerlich sann der Politiker auf Rache. So einfach ließ er sich sein Parkplatz-Privileg nicht streitig machen.

"Es gibt Leute, die Schlimmeres tun"

Als die Polizei weggefahren war, kam der vor Wut schnaubende Berlusconi-Politiker mit einem Messer zurück und schlitzte zwei Reifen von Scuderis Auto auf. Doch die Szene blieb nicht unbeobachtet: Eine Überwachungskamera zeichnete den Vorfall auf. Das wurde Piazza aber leider zu spät bewusst. Der Vorfall ging schnell durch alle Medien des Landes, nun musste Piazza seinen Sessel räumen. Mittlerweile hat sich der Politiker auch für den Vorfall entschuldigt, halbherzig allerdings: "Es war ein Fehler, aber es gibt Leute, die Schlimmeres tun".

Der Vorfall in Lecco ist beispielhaft für die vielen Korruptions- und Privilegienskandale, die in Italien seit Wochen für Empörung sorgen. Am Mittwoch wurden fünf Beamte einer Steuereinzugsgesellschaft verhaftet, weil sie rund 100 Millionen Euro an Steuergeldern unterschlagen haben sollen. Mit dem Geld sollen sie sich Privatflugzeuge, Partys und Jachten finanziert haben. Zudem ermittelt die Justiz seit einigen Wochen gegen etwa ein Dutzend Regionalräte der Berlusconi-Partei wegen Veruntreuung von bis zu sechs Millionen Euro. Vergangene Woche musste die Präsidentin der mittelitalienischen Region Lazio mit der Hauptstadt Rom, Renata Polverini, deswegen ihren Hut nehmen.

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