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Politik
12/05/2011

Berlusconi feiert seinen 75er

Katerstimmung statt Partylaune: Morgen feiert Italiens Premier Geburtstag. Nach "Bunga Bunga" ist ihm nicht.

Zum 75. Geburtstag hat Italiens Premier Silvio Berlusconi kaum Grund zum Feiern. Als Kapitän eines sinkenden Schiffes ist ihm längst das Ruder entglitten: Die immer höher schlagenden Skandalwellen der Korruptions- und Sexaffären drohen ihn zu überrollen. Es vergeht kein Tag, an dem Berlusconi nicht das Ende seiner Regierungszeit in einem "Scheißland", wie er Italien in einem abgehörten Telefonat genannt hat, prophezeit wird.

Während das Land in der Schuldenkrise versinkt, ist Berlusconi vor allem mit seinen privaten Skandalen beschäftigt. Besonders zu schaffen machen ihm die Staatsanwälte in Neapel, die bald eine neue Untersuchung einleiten dürften. Sie vermuten, dass der Premier den Geschäftsmann Giampaolo Tarantini mit Geld zu Falschaussagen bewogen hat, um die Ermittler im Sexskandal in die Irre zu führen.

Laut Abhörprotokollen hat Tarantini dem Regierungschef jahrelang Prostituierte zugeführt und wollte dafür nicht nur Geld, sondern auch Beteiligung an Aufträgen eines Staatsunternehmens. Die Justiz geht nun dem Verdacht nach, Berlusconi könnte sein Sexvergnügen nicht nur aus der eigenen Tasche, sondern auch mit öffentlichen Aufträgen finanziert haben.

Internationale Absage

Der "Cavaliere" sitzt derzeit in vier Prozessen, unter anderem wegen Korruption und Bestechung, auf der Anklagebank. Für das größte Aufsehen sorgt der "Ruby"-Prozess, der am 3. Oktober wieder aufgenommen wird.

Die Herabstufung von Italiens Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Standard & Poor's vergangene Woche werten Politexperten vor allem auch als eine internationale Absage an die Regierung Berlusconi. Selbst in den eigenen Reihen wird der Druck immer stärker. "Es wird nicht mehr lange bis zum Urnengang dauern", kündigte Abgeordnetenkammer-Präsident Gianfranco Fini erneut an. Auf die angeschlagene Regierungskoalition wartet am Mittwoch die nächste Hürde: Im Parlament wird über einen Misstrauensantrag der Opposition gegen Landwirtschaftsminister Saverio Romano abgestimmt. Die Staatsanwaltschaft in Palermo drängt wegen Romanos Mafia-Verbindungen auf einen Prozess.

"Sittenlos"

Nun hat auch der Vatikan seine Zurückhaltung aufgegeben. "Sittenlose Verhaltensweisen und unangebrachte Beziehungen sind negativ und produzieren einen sozialen Schaden", sagte der Chef der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco. Der Kardinal prangerte die Intransparenz im Land an. Auch wenn er den Premier nicht namentlich nannte, sprachen Medien von einer klaren "Kritik und Prügel für Berlusconi". Auch andere katholische Organisationen kehren dem Premier den Rücken. Andrea Olivero, Präsident der katholischen Arbeitnehmervereinigung, forderte Berlusconis Abgang: "Er sollte den Mut zum Rücktritt haben. Damit kann er beweisen, dass ihm Italien noch am Herzen liegt."

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