Bangkoks Westen überflutet

Das Hochwasser in Bangkok hat am Samstag weitere Stadtbezirke erfasst und Siedlungen entlang des Flusses Chao Phraya überschwemmt.

Das Hochwasser in Bangkok hat mehrere Stadtbezirke erfasst und Siedlungen entlang des Flusses Chao Phraya bis zu einen Meter überschwemmt. Der für den Abend angekündigte Scheitel des Hochwassers passierte die Region zunächst ohne dramatische Veränderungen der Lage. Die Dämme entlang des Flusses und im Norden der Stadt hielten. An beiden Ufern des Chau Phraya schwappte das Wasser aber über die Flutdämme und setzte zahlreiche Straßen unter Wasser. Betroffen war auch der alte Königspalast, eine der größten Touristenattraktionen der thailändischen Hauptstadt. Das Hochwasser erreichte die Rekordmarke von 2,48 Metern über Normalstand, sagte der Sprecher der Stadtverwaltung. Die sieben Kilometer langen Flutbarrieren am Chao Phraya sind 2,50 Meter hoch. Am Freitag (28.10.) erreichte der Fluss Chao Phraya westlich der dicht besiedelten Altstadt mit 2,47 Metern eine kritische Marke. Angesichts des drohenden Hochwassers versuchen viele Menschen seit Tagen, die Stadt zu verlassen... ...Zehntausende Autos verstopften am Freitag die Ausfahrten aus der bereits zu großen Teilen überschwemmten Stadt. Immer wieder brachen Dämme unter dem immensen Wasserdruck, ganze Stadtteile wurden überflutet. Das letzte Mal geschah das am Dienstag (25.10). Regierungschefin Yingluck Shinawatra hatte am Mittwoch in einer Fernsehansprache vor den Überschwemmungen gewarnt. Die Regierung schlug vor, fünf große Straßen zu "Abflusskanälen" zu machen, um so die Wassermassen um das bedrohte Stadtzentrum zu leiten. Die einzelnen Stadtteile sind indes sehr unterschiedlich betroffen. Vor allem entlang des Flusses, der westlich der dicht besiedelten Altstadt fließt, ist die Lage ernst. Kopfzerbrechen bereitet den Behörden eine Springflut, die wegen einer besonderen Konstellation von Mond und Sonne in den kommenden Tagen im Golf von Thailand erwartet wird. Das drückt zusätzlich Wasser in den Chao Phraya und somit in die Stadt, die an der Flussmündung liegt. Seit Tagen rauschen aus den Hochwassergebieten in Zentralthailand riesige Wassermengen Richtung Bangkok. Rund eine Million Menschen in den Außenbezirken wurden aufgerufen, ihr Hab und Gut in höhere Etagen zu bringen und in Notunterkünfte umzuziehen. Die Regierung hatte am Donnerstag angeordnet, dass die Schleusen der zahlreichen durch Bangkok laufenden Kanäle geöffnet werden sollen, damit das Wasser sich nicht weiter aufstaut, sondern Richtung Meer abfließen kann. Dabei besteht aber die Gefahr, dass immer mehr Kanäle über die Ufer treten. Bangkok könne nicht mehr komplett geschützt werden, erklärte die thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra bereits. Die Kritik am chaotischen Krisenmanagement wird immer lauter. Nicht nur die Zwölf-Millionen-Metropole Bangkok kämpft gegen die Fluten. In der Region Pathum Thani vor den Toren der Hauptstadt steht das Wasser schon seit Tagen meterhoch. In Zentralthailand stehen ganze Regionen schon seit Wochen unter Wasser, Hunderttausende Menschen sind betroffen. Die Europäische Union stellt 1,4 Millionen Euro für Hilfe zur Verfügung. Tausende thailändische Soldaten sind abgestellt, um der Not leidenden Bevölkerung zu helfen. Viele Menschen sind bereits geflohen, doch die meisten harren in ihren Wohnungen aus und bewältigen den Alltag mit Booten – und viel Gelassenheit.
(KURIER.at, KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?