Bananen-Allergiker, Priester, Feen: So bunt ist Österreich

18 erfolgreiche Menschen, die ihre Wurzeln im Ausland haben, erzählen zum 1. Mai, was sie an ihrer Heimat mögen und was sie stört.

BARRY DICKSON, NEUROBIOLOGE
Geboren: 1962 in: AustralienNationalität (der Eltern): AustralienIn Österreich seit: 1998Ausbildung/Beruf: Studium der Mathematik und Biologie. Arbeitsschwerpunkt Neurobiologie. Seit 2006 Direktor des Instituts für Molekulare Pathologie in Wien.Was ich an Österreich mag: Die hohe Lebensqualität in Wien, aber auch die Berge. Ich schätze die Offenheit und die pragmatische Grundeinstellung der Österreicher.Was mich an Österreich stört: Wichtigtuerei und Engstirnigkeit sind mir ein Gräuel. PILAR ORTEGA, GRAFIK-DESIGNERIN
Geboren: 1978 in: KolumbienNationalität (der Eltern): Österreich (Kolumbien)In Österreich seit: 2000Ausbildung/Beruf: KURIER-Infografik; Grafik-DesignerinWas ich an Österreich mag: Die Lebensqualität. Ich mag die Berge, die wunderschönen Seen, die Stadt Wien, das leckere Brot.Was mich an Österreich stört: Dass die Leute gerne granteln. Mich ärgert, dass viele nicht schätzen können, was für ein Glück sie haben, in einem solchen Land geboren zu sein. ADEM KARADUMAN, SCHAUSPIELER
 Geboren: 1976 in: Wiener Neustadt (NÖ)Nationalität (der Eltern): noch Türkisch, (Österreich)In Österreich seit: 1976Ausbildung/Beruf: Schauspielstudium in Istanbul und Köln. Zahlreiche (Neben-)Rollen auf Kabarett-Bühnen, im Fernsehen und in Filmen.Was ich an Österreich mag: Das grüne, frische, tolle Land, die Ordnung und meine österreichischen Freunde.Was mich an Österreich stört: Die Bürokratie macht einen verrückt. Dazu die alten Köpfe mit den alten Rassismen.  HALIL ERSOY, INTEGRATIONSBEAUFTRAGTER
Geboren: 1948 in: AnkaraNationalität (der Eltern): Österreich (türkisch)In Österreich seit: 1970Ausbildung/Beruf: Wirtschaftsuni, Tourismuskolleg/ Integrationsbeauftragter der nö. LandesakademieWas ich an Österreich mag: Praktisch alles. Hier fühle ich mich aufgenommen, bekomme Unterstützung, ohne darum zu bitten.Was mich an Österreich stört: Wenn jemand etwas falsch macht und glaubt, mit einer Entschuldigung ist alles erledigt. XHEVAT JANUSI, MASCHINENBAUER
Geboren: 1963 in: Ex-JugoslawienNationalität (der Eltern): Kosovo-AlbanerIn Österreich seit: 1992Ausbildung/Beruf: Maschinenbauer, FeuerwehrmannWas ich an Österreich mag: „Österreich ist ein Land, wo man keine Angst haben muss. Egal, wie man sich politisch engagiert. Die Demokratie ist sehr gut aufgestellt."Was mich an Österreich stört: „Migranten, die vonsich aus nicht versuchen, sich zu integrieren, und die glauben, in Österreich fällt das Geld vom Himmel." PJETER LOGORECI, JURIST UND BETREUER
Geboren: 1956 in: AlbanienNationalität (der Eltern): Albanien (Albanien)In Österreich seit: 1997Ausbildung/Beruf: in Albanien: Jurist, Beamter; in Österreich: Sozialarbeiter, Behindertenbetreuer, nun arbeitsuchend.Was ich an Österreich mag: Sicherheit, Gesundheits­system, Demokratie, Soziales...Was mich an Österreich stört: Das Asylgesetz, Fremdenfeindlichkeit, die mangelnde Anerkennung der „Ausländer", ihrer Qualifikationen und Werte; die Diskussion um die Arbeitsmarkt-Integration von Migrantinnen und Migranten. ALEKSANDAR DRAGOVIC, ABWEHRCHEF
Geboren: 1991 in: WienNationalität (der Eltern): Österreich (Serbien, Österreich)In Österreich seit: immerAusbildung/Beruf: Österreichischer Fußball-Nationalspieler, Legionär beim FC Basel in der Schweiz.Was ich an Österreich mag: Zum Leben ist Österreich eines der schönsten Länder. Daswird mir auch immer wieder klar, wenn ich nach Serbien fahre. Da sehe ich, wie gut es uns geht.Was mich an Österreich stört: Dass der Sport, insbesondere Fußball, nicht den Stellenwert hat, den er verdient. GEORGE NIMEH, iBOY AUS DEN USA
Geboren: 1967 in: USANationalität (der Eltern): USA (USA, Syrien)In Österreich seit: von 2002 bis 2005 und wieder seit 2012Ausbildung/Beruf: New York Times, CBS, Red Bull. Chief Digital Officer bei KURIER und @iboy auf Twitter.Was ich an Österreich mag: Wien ist global und lokal, alt und neu; zur selben Zeit. Es ist einzigartig und eindrucksvoll.Was mich an Österreich stört: Manchmal ist mir das Essen etwas zu salzig, aber das tolle Eis macht das mehr als wett. SIMON INOU, JOURNALIST
Geboren: 1972 in: KamerunNationalität (der Eltern): Österreich (Kamerun)In Österreich seit: 1995Ausbildung/Beruf: Studium in Kamerun und Wien; Journalist und Geschäftsführer von m-media Diversity Mediawatch.Was ich an Österreich mag: Es herrscht Ordnung, es gibt ein klares System mit Regeln, die Pressefreiheit wird gelebt.Was mich an Österreich stört: In Städten leben viele Individualisten. 20 Jahre lebt man in seiner Wohnung, aber kennt den Nachbarn nicht. Für mich ist das eine Katastrophe.
DRAGANA HEIERMANN, FOTOCHEFIN
Geboren: 1969 in: WienNationalität (der Eltern): Österreich (Serbien)In Österreich seit: 1969Ausbildung/Beruf: Österreich Werbung (Public Relations). Derzeit Leiterin der KURIER- Fotoredaktion.Was ich an Österreich mag: Man muss oft erst nachdenken, worüber man sich freut; aber man weiß immer, worüber man traurig ist. (Karl Kraus)Was mich an Österreich stört: Schein hat mehr Buchstaben, als Sein. – ebenfalls Karl Kraus  KHEDER SHADMAN, MIGRANTENBEIRAT
Geboren: 1962 in: Mahabad, IranNationalität (der Eltern): Österreichisch (Kurden im Iran)In Österreich seit: 1984Ausbildung/Beruf: Architekturstudium TU Graz; Architekt und Geschäftsführer des MigrantInnenbeirates von Graz.Was ich an Österreich mag: Die demokratischen Rechte, gut arbeitende Behörden, die Gemütlichkeit, den Dachstein und die steirische Weinstraße.Was mich an Österreich stört: Dass eine Million Menschen armutsgefährdet ist. STEFAN OTTRUBAY, FINANZEXPERTE
Geboren: 1954 in: ZürichNationalität (der Eltern): Schweiz (Schweiz)In Österreich seit: 2001Ausbildung/Beruf: Jurist, Finanzfachmann.Was ich an Österreich mag: Die Menschen sind heute sehr offen, dies gilt besonders unseren östlichen Nachbarn gegenüber.Was mich an Österreich stört: Das öffentliche, politische Leben entspricht nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Österreich muss Strukturen schaffen, welche schneller zu Lösungen kommen EMEKA EMEAKAROHA, PRIESTER
Geboren: 1971 in: NigeriaNationalität (der Eltern): Österreich (Nigeria)In Österreich seit: 1995Ausbildung/Beruf: Kaplan in Ober-Grafendorf (NÖ)Was ich an Österreich mag: Dass es ein friedliches und sicheres Land ist. Verschiedene Religionen und Menschen leben in Frieden zusammen.Was mich an Österreich stört: Stören ist zu viel gesagt, aber mir geht ein bisschen das Lachen ab. Ich akzeptiere, wie die Menschen hier sind, aber in meiner Heimat wird öfter gelacht. ALP BORA, SÄNGER UND GITARRIST
Geboren: 1976 in: IstanbulNationalität (der Eltern): TürkischIn Österreich seit: 1998Ausbildung/Beruf: kam zum WU-Studium nach Wien, schlug dann Musikerlaufbahn einWas ich an Österreich mag: Ich mag Wien, die Stadt ist sehr multikulturell. Ich wache morgens vom Hufgeklapper der Fiaker auf, das liebe ich.Was mich an Österreich stört: Wenn ich an Fälle wie Arigona, Kampusch oder Amstetten denke, bin ich schockiert, aber so etwas passiert wohl überall. Es ist schade, dass Wien nicht am Meer liegt. MICHAEL STAVARIC, SCHRIFTSTELLER
Geboren: 1972 in: TschechoslowakeiNationalität (der Eltern): Österreich (Österreich)In Österreich seit: 1979Beruf: SchriftstellerWas ich an Österreich mag: Das ehrliche Engagement und die Bemühungen vieler Menschen hier, dieses Land nicht zu einer „Bananenrepublik" verkommen zu lassen.Was mich an Österreich stört: Das perfide Engagement und die Bemühungen vieler Menschen hier, dieses Land zu einer „Bananenrepublik" verkommen zu lassen.
ATTILA DOGUDAN, GASTFREUND 
Geboren: 1959 in: IstanbulNationalität (der Eltern): beide (Österreich, Türkei)In Österreich seit: immerAusbildung/Beruf: VS in Istanbul, Studium in Wien. Chef des Gastro-Riesen DO&CO.Was ich an Österreich mag: Tolles Land mit Superchancen für jeden einzelnen. Perfekte Ausbildungsmöglichkeiten, sehr gutes Gesundheitswesen, unabhängige Judikatur.Was mich an Österreich stört: Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann ist es mehr Qualität in Allem. Insbesondere in der Politik.

1,543 Millionen Migranten aus erster oder zweiter Generation lebten 2010 in Österreich. Das sind 18,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Österreich, das kleine Überbleibsel, wird allmählich wieder zum "Vielvölkerstaat". Rund 40 Prozent der Zuwanderer kommen aus der EU, knapp ein Drittel aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens; 12 Prozent aus der Türkei.

Längst ist das Gesundheitssystem oder die Bauwirtschaft auf Arbeitskräfte, die aus dem Ausland stammen, angewiesen. Doch auch in anderen Berufen wird es hierzulande bunter: Von der türkisch-stämmigen Fernsehmoderatorin über den importierten Serben, der heute ein österreichisches Fußball-Export-Aushängeschild ist, bis hin zum Literaten aus Tschechien, der der Republik das Bananenhafte austreiben will.

(kurier) Erstellt am
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