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USA
10/31/2012

"Wien ist der richtige Platz für Freund Bill"

Interview – US-Botschafter William Eacho über den Wahlkampf und sein Erfahrung mit Europa.

von Helmut Brandstätter

William Eacho III. ist seit 2009 US-Botschafter in Wien.

KURIER: Herr Botschafter, wie verfolgen Sie den amerikanischen Wahlkampf?

William Eacho: Wie jeder andere auch, in den Nachrichten. Und natürlich habe ich mir die TV-Konfrontationen angesehen.

Live in der Nacht?

Nein, am nächsten Tag auf YouTube.

Wer war für Sie der Sieger?

Romney hat das Bild eines Republikaners der alten Schule abgegeben. Obama war dann ab der zweiten Konfrontation viel stärker. Aber auch Romney hat sich gut geschlagen.

Sie als wohlhabender Businessman müssen doch eher auf Romneys Seite stehen?

Nein, in der Wirtschaft finden wir Anhänger beider Kandidaten. Romney hat zwar mehr Erfahrung als Unternehmer, aber auch Obama versteht die Wirtschaft.

Aber Sie halten schon Obama die Daumen?

Natürlich, wenn Romney gewinnt, dann wäre ich ganz schnell weg. Wenn Obama gewinnt, habe ich länger Zeit zum Kofferpacken. (lacht)

Können Sie erklären, warum amerikanische Wahlkämpfe gar so negativ ablaufen, vor allem durch die bösen Fernsehspots.

Ich glaube, die Wähler mögen das gar nicht, aber die politischen Berater sind überzeugt, dass Negativwerbung funktioniert. Diesmal ist es noch schlimmer, weil es die sogenannten "Super-Pacs" (Political Action Commity) gibt. Das sind Gruppen außerhalb der Parteien, die mit viel Geld Kampagnen organisieren. Schuld daran ist eine Entscheidung des Obersten Gerichtshof, wonach Spenden unbeschränkt sein müssen als Garantie für die freie Meinungsäußerung, die ja bei uns in der Verfassung steht. Also schreiben sehr reiche Leute sehr dicke Schecks, um einen Kandidaten zu unterstützen. Ich halte das für falsch, es hat auch nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, wenn ein Bürger ein riesen Megafon hat und ein anderer nur eine leise Stimme.

Aber Sie haben ja auch für Obama gespendet?

Ja, aber damals war das Limit 2300 Dollar.

Was war der größte Erfolg von vier Jahren Obama?

Ganz sicher die Krankenversicherung. 35 Millionen Amerikaner hatten keine Sozialversicherung.

Können Sie mir erklären, warum sogar arme Leute dagegen protestiert haben, dass jeder versichert sein muss?

Es gab arme Leute, die gesagt haben, "da werde ich jetzt gezwungen, mich versichern zu lassen, obwohl ich kein Geld habe". Meine Schwester ist überzeugte Republikanerin, sie war auch gegen diese Versicherung. Aber dann ist sie draufgekommen, dass ihre Tochter, die eine bestimmte Krankheit hat, das erste Mal in ihrem Leben eine Versicherung erhält. Bis dahin wurde das Mädchen immer abgelehnt. Jetzt sagt sogar meine republikanische Schwester, das war das Beste, was Obama getan hat.

Gibt es noch immer den amerikanischen Traum?

Ja, der lebt jeden Tag, wenn jemand fleißig ist, kann er es schaffen. Schauen Sie sich an, wie viele Leute noch immer Softwarefirmen gründen, und in kurzer Zeit reich werden. Allerdings geht die Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen auf. Das ist ein Problem. Aber das liegt nicht an großen Erbschaften, die meisten Vermögen werden noch immer in der ersten Generation gemacht.

Sie waren über drei Jahre in Europa, in welchen Bereichen haben Sie am meisten gelernt?

Für mich war das eine wunderbare Erfahrung. Für mich war das Schönste, zu beobachten, wie die Europäische Union trotz aller Probleme zusammenwächst. Wir haben jetzt einen Partner, der unsere Werte teilt und mit dem wir gemeinsam globale Herausforderungen annehmen können.

US-Verteidigungsminister Panetta hat seinen österreichischen Kollegen Darabos getroffen. Worüber reden die Chefs von zwei so unterschiedlichen Armeen?

Ihre Armee ist vielleicht klein, aber auch Österreich kann bei der Sicherung des Friedens eine große Rolle spielen. Sie haben die größte Nicht-NATO-Truppe im Kosovo und die größte überhaupt in Bosnien. Jeweils als UN-Friedenstruppen. Und wir erkennen diese Rolle an. Österreich hat auch das größte EU-Kontingent auf den Golan-Höhen. Minister Panetta wollte einfach gegenüber Herrn Darabos Danke sagen.

Sollte Österreich eine Berufsarmee haben, um für die UNO Peace-keeping noch effizienter zu betreiben?

Das wird Ihr Volk entscheiden. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Wir haben eine Berufsarmee, weil sie einfach effizienter ist, allerdings ist sie auch teurer als zu der Zeit, als wir noch die Wehrpflicht hatten.

Haben Sie die Arbeit unserer UN-Truppen beobachtet?

Ja, ich habe sowohl die im Kosovo als auch in Sarajewo besucht. Einfach nur, um im Namen der USA Danke zu sagen. Ich habe selbst erlebt, wie effizient die sind. Als ich in Sarajewo war, haben sie simuliert, wie man Personen aus einer Unruhe-Zone befreien kann. Da kam ein General und sagte: "Herr Botschafter, sollen wir nicht gleich Sie befreien?" Kaum hatte ich Ja gesagt, haben sie mich in einen Tragegurt gesetzt und an ein Seil angehängt. Ein Soldat hat mich genommen und im nächsten Moment hat uns schon ein Hubschrauber davongetragen. Ich hing also an einem Seil an einem Hubschrauber und genoss die beste Aussicht auf Sarajewo. Dann haben sie mich zu den Truppen geflogen und dort habe ich eine Rede gehalten. Das war wirklich ein Riesenspaß.

Sie haben doch immer mehrere Leibwächter. Haben die das nicht verhindert?

Nein, in diesem Fall wurde ich ja von den vielen österreichischen Soldaten beschützt.

Diese Erinnerungen werden Sie mit nach Hause nehmen, wenn Sie uns nächstes Jahr verlassen. Was noch?

Vor allem den Wunsch, bald wieder zu kommen. Ich danke Präsident Obama jeden Tag, dass er mich hierher geschickt hat.

Sie sind ja kein Karriere-Diplomat. Haben Sie zu Obama gesagt, ich will nach Wien?

Nein, der Präsident hat gesagt: "Du gehst nach Wien."

Warum Wien?

Ich glaube, er hat in der Zeitung gelesen, dass Wien die höchste Lebensqualität der Welt hat. Und da hat er gesagt: "Das ist der richtige Platz für meinen Freund Bill."

Sie sind zu jung, um in Pension zu gehen. Was werden Sie in den USA machen?

Keine Ahnung, so sind wir Amerikaner eben, wir haben keine Angst, etwas Neues zu machen. Das ist Teil unser Kultur, so bin ich aufgewachsen .

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