ISRAEL-PALESTINIAN-CONFLICT-JERUSALEM

© APA/AFP/AHMAD GHARABLI / AHMAD GHARABLI

Politik Ausland
05/07/2021

Mehr als 220 Verletzte bei Ausschreitungen in Jerusalem

Am Freitagabend kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der Polizei.

Inmitten von wachsenden Spannungen in den von Israel besetzten Gebieten haben sich palästinensische Gläubige am Freitag auf dem Tempelberg in Ost-Jerusalem heftige Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei geliefert. Bei den schweren Zusammenstößen zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern sind den Angaben beider Seiten zufolge mehr als 220 Menschen verletzt worden.

Zu den Unruhen nahe der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg kam es, als Tausende überwiegend jugendliche Palästinenser nach dem muslimischen Abendgebet am Freitag gegen die drohende Zwangsräumung von Häusern palästinensischer Familien protestierten.

Die Protestierenden warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die rund 700 Polizisten, die ihnen gegenüberstanden. Die Polizei setzte Gummigeschosse, Blendgranaten und Wasserwerfer ein. In der Altstadt waren Schüsse zu hören. Mindestens 205 Palästinenser seien verletzt worden, teilte der Rote Halbmond mit. Die israelische Polizei sprach von 17 verletzten Beamten.

Dem Roten Halbmond zufolge wurden nach den Unruhen am Tempelberg 108 verletzte Palästinenser in Krankenhäuser gebracht. Ein Verletzter habe ein Auge verloren, zwei Palästinenser hätten schwere Kopfverletzungen erlitten. Israelischen Angaben zufolge mussten etwa die Hälfte der 17 verletzten Polizisten im Krankenhaus behandelt werden. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas machte Israel für die Eskalation verantwortlich und forderte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats.

Polizeisprecher Wassem Bader seien, die Beamte gegen "gewaltsame Unruhen" eingeschritten. Nach Angaben der Polizei, die die Zugänge zum Tempelberg bewacht, wurden die Beamten von "hunderten Randalierern" mit "Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen" beworfen.

Täglich Proteste

Seit Beginn des Ramadan und der Verschiebung der palästinensischen Parlamentswahl kam es wiederholt zu Spannungen und Gewalt im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems. Als Auslöser für die Unruhen in Jerusalem gilt Zorn der Palästinenser über Sperrmaßnahmen der israelischen Polizei im Bereich der Altstadt während des Ramadan.

Zudem verschärfte ein Konflikt um drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien in dem Ost-Jerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah die Spannungen. Das Land, auf dem sie leben, wird von jüdischen Siedlern beansprucht. In der Nähe befindet sich auch eine historische Stätte, die von religiösen Juden als Grab eines Hohepriesters verehrt wird. Das oberste israelische Gericht setzte für Montag eine Anhörung in dem Rechtsstreit zwischen den Siedlern und palästinensischen Familien an.

Das UN-Menschenrechtskommissariat forderte Israel auf, auf die Zwangsräumungen zu verzichten, die gegen internationales Recht verstoßen würden. Das US-Außenministerium und der UN-Sondergesandte Tor Wennesland zeigten sich zutiefst besorgt über die anhaltende Gewalt in Jerusalem und im Westjordanland. Wie auch er rief die EU zur Mäßigung auf. "Gewalt und Aufwiegelung sind inakzeptabel und die Täter auf allen Seiten müssen zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte ein EU-Sprecher am Samstag.

Eskalation mit Ansage

Die israelische Polizei hatte sich angesichts der Freitagsgebete bereits auf neue Zusammenstöße mit protestierenden Palästinensern vorbereitet. Auf Bildern palästinensischer Medien waren Reihen von israelischen Sicherheitskräften zu sehen. Zu den Gebeten am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan versammeln sich tausende muslimische Gläubige am Tempelberg.

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