Stinkefinger: Varoufakis geht in die Offensive

Ein Mann mit Mikrofon gestikuliert mit dem Mittelfinger.
Minister erhebt Vorwürfe gegen die ARD-Redaktion. Tsipras besucht Berlin.

Die ARD-Sendung Günther Jauch am Sonntagabend sollte dazu dienen, das Verständnis zwischen Griechenland und Deutschland in der aktuellen Schuldenkrise zu verbessern. Passiert ist das Gegenteil - nun tobt der Streit über undankbare Griechen und gönnerhafte Deutsche erst recht. Anstoß war ein an sich alter Vorwurf gegen den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, der der ARD-Diskussionsrunde zugeschaltet war. Ein Video aus dem Jahr 2013 zeigt Varoufakis bei einer Podiumsdiskussion in Zagreb, dabei erhebt er in seinen Ausführungen den Mittelfinger - symbolisch Richtung Deutschland. Damals war er Wirtschaftsprofessor und starker Kritiker der früheren griechischen Regierung. Das Video ist nicht neu; am Sonntag wurde es bei Jauch erneut eingespielt. Varoufakis konterte prompt: Die Aufnahme sein gefälscht.

"Das ist ein unechtes Video. Der Finger ist reinmontiert worden" ("it was doctored"). Jauch erwiderte, seinen Informationen zufolge stamme das Bild von einer Konferenz in Zagreb im Jahr 2013. Varoufakis meinte: "Ich schäme mich dafür, dass man mir das zutraut."

Am Montag aber legte die Redaktion nach, allem Anschein nach sei die Aufnahme echt. Nach bisherigem Kenntnisstand gebe es keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung im Video, so die ARD. Die Redaktion lasse aber weiterhin durch mehrere Netzexperten die Echtheit des Videos prüfen.

"Sabotiert"

Gegenüber Spiegel Online verteidigte sich Varoufakis anschließend und erhob Vorwürfe gegen die Jauch-Redaktion. Diese habe ihn absichtlich schlecht dargestellt. "Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten", zitiert ihn Spiegel Online. Man habe seinen Auftritt sabotiert: "Es ist unvorstellbar, dass sie nicht wussten, dass das Video gefälscht wurde." Die Produktionsfirma wies die Vorwürfe empört zurück.

Auch jener Mann, der den Auftritt 2013 in der Kurzversion verbreitet hatte, meldete sich zu Wort. Alessandro Del Prete schrieb auf Twitter, er habe sechs Minuten aus dem 57-minütigen Vortrag geschnitten und den Clip hochgeladen. Mehr habe er nicht an dem Video verändert. "Absolutely not fake", schrieb er. "Schau dir die Lippen an, er sagt, was wir hören, und der Mittelfinger ist sichtbar. Kein Fake. :)". Auf Twitter mischen sich indes immer mehr User in die Debatte ein: Unter #Fingergate wird heftig diskutiert.

Die wörtliche Übersetzung des Gesagten im Video: "Mein Vorschlag war es, dass Griechenland einfach zugeben soll, dass es nicht zahlen kann - genau wie Argentinien es getan hat - innerhalb des Euro, im Januar 2010. Und Deutschland den Finger zeigen soll und sagen: 'Jetzt müsst ihr das Problem selber lösen'.

Zu sehen bei 1:59:

Dabei fing die Sendung recht gut an, Varoufakis gab sich sehr diplomatisch. Aufhorchen ließ er mit der Aussage, man habe ein "unbedeutendes Liquiditätsproblem", das Europa nicht auseinander treiben dürfe. "Wir in der griechischen Regierung tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass alle Gläubiger ihr Geld zurückbekommen."

Tsipras in Berlin

Griechenlands Staat brechen die Steuereinnahmen weg. Zugleich steht die Regierung unter Druck, weil sie laufende Schulden bedienen muss. Noch im März stehen Zahlungen an den IWF und andere Gläubiger in Höhe von 1,6 Milliarden Euro an. Athen zahlte am Montag fristgemäß 588 Mio. Euro an den IWF.

Möglicherweise kann der griechische Premier Alexis Tsipras die Wogen glätten. Er ist am Freitag nach Berlin eingeladen, wo er Bundeskanzlerin Merkel trifft.

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