"Minister No More": Yanis Varoufakis

© REUTERS/Yves Herman

Griechischer Ex-Finanzminister
07/14/2015

Varoufakis: "Hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können"

In einem Interview sprach der ehemalige Finanzminister erstmals über die Verhandlungen mit der Eurogruppe. Niemand habe Interesse an wirtschaftlichen Argumenten gehabt.

Erstmals nach seinem überraschenden Rücktritt als griechischer Finanzminister hat Yanis Varoufakis einen Einblick in die Verhandlungen mit der Eurogruppe gegeben. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem britischen Politikmagazin The NewStatesman erhebt der streitbare Politiker schwere Vorwürfe gegenüber seinen europäischen Amtskollegen.

Diese hätten überhaupt kein Interesse an wirtschaftlichen Argumenten gehabt. "Man bringt Argumente vor, an denen man wirklich gearbeitet hat und die logisch durchdacht sind - und man starrt nur in leere Gesichter. Keine Reaktion. Als hätte man gar nicht gesprochen. Was man sagt ist komplett unabhängig davon, was sie sagen. Ich hätte genauso gut die schwedische Nationalhymne singen können - die Reaktion wäre die gleiche gewesen."

Schäuble dominiert

Das Interview wurde noch vor der jüngsten Einigung der Eurogruppe mit Griechenland geführt. Dass Griechenland dabei mit der Forderung nach einer Schuldenumstrukturierung durckkommen würde, hielt Varoufakis schon im Vorfeld für unwahrscheinlich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der deutsche Finanzminister (Wolfgang Schäuble) jemals darauf eingehen wird. Wenn doch, wäre es ein Wunder." Die Eurogruppe sei komplett von Schäuble dominiert, wird Varoufakis zitiert. Und Schäubles Sicht sei immer gewesen: "Ich diskutiere das Programm nicht - es ist von der vorigen Regierung abgesegnet worden und wir können nicht erlauben, dass eine Wahl daran etwas ändert. Also sagte ich: 'Na gut, dann sollten wir vielleicht keine Wahlen in verschuldeten Ländern abhalten.'"

Warb für härteren Kurs gegen EZB

Varoufakis, der jetzt als einfacher Abgeordneter im griechischen Parlament sitzt, hatte seinen Rückzug als Finanziminister am Tag nach dem deutlichen Sieg seiner Partei Syriza beim griechischen Referendum bekannt gegeben. Seine Begründung damals war, dass sein Abschied von Regierungschef Alexis Tsipras als "potenziell hilfreich" betrachtet worden sei. Gegenüber dem britischen Magazin spezifizierte Varoufakis nun: Er sei zurückgetreten, weil er bei einem Kabinettstreffen, bei dem er für eine harte Linie gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) geworben hatte, mit vier zu zwei Stimmen überstimmt worden sei. Tsipras hätte nicht gewollt, dass das "überwältigende 'Nein' verschwendet wird" und hätte eine konstruktive Lösung vorgezogen. Böses Blut gebe es deswegen aber nicht zwischen den beiden. "Unsere Beziehung ist noch immer sehr amikal".

Varoufakis zeigte sich außerdem erleichtert, die Zeit als Minister hinter sich zu haben. Fünf Monate lang habe er täglich nur zwei Stunden geschlafen. "Und ich bin erleichtert, nicht mehr diesen unerträglichen Druck zu haben, eine Position zu verhandeln, die ich nur schwer verteidigen kann."

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