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Politik | Ausland
07/01/2019

US-Diplomaten bei Siedler-Projekt in Israel: Palästinenser empört

Die US-Offiziellen hatten eine umstrittene archäologische Stätte in Ost-Jerusalem eingeweiht.

Die Unterstützung der US-Regierung für ein Geschichtsprojekt der israelischen Siedlerbewegung in Ost-Jerusalem hat bei Palästinensern und in der arabischen Welt scharfe Kritik hervorgerufen. Die Teilnahme von US-Regierungsvertretern an der Einweihung einer umstrittenen archäologischen Stätte sei verantwortungslos und fördere Spannungen in der Region, erklärte Jordaniens Außenministerium am Montag.

Saeb Erekat, Verhandlungsführer der Palästinenser, sprach unterdessen von einer "Schande für jeden Diplomaten". Am Sonntagabend hatten Jason Greenblatt, ein Berater von US-Präsident Donald Trump, und der US-Botschafter in Israel, David Friedman, einer Veranstaltung der ultrakonservativen Siedlerbewegung Elad beigewohnt. Diese hatte im mehrheitlich von Palästinensern bewohnten Ostteil Jerusalems einen Tunnel gegraben. Dieser führt entlang eines angeblichen historischen Weges, den vor rund 2.000 Jahren Pilger auf dem Weg zum zweiten jüdischen Tempel genutzt haben sollen.

"Das hat mit Geschichte nichts zu tun, das ist erfunden", sagte Erekat vor Journalisten in Ramallah. Er berief sich auf Berichte von Peace Now und Emek Shaveh, zwei israelische Nichtregierungsorganisationen. Peace Now berichtete zudem von Rissen in palästinensischen Häusern, die von der Tunnelgrabung herrühren sollen. Aus Sicht der Palästinenser dient die archäologische Stätte der Siedler-Strategie, historische Ansprüche auf Ost-Jerusalem zu untermauern.

Dagegen sagte Doron Spielman, Vize-Präsident von Elad, der Pilgerweg sei "zentral für Jerusalems jüdische Vergangenheit". Greenblat und Friedman bezeichneten das Projekt als Zeugnis der antiken jüdischen Präsenz in Jerusalem. Die Palästinenser sollten die historische Wahrhaftigkeit der Stätte nicht länger bestreiten, sagte Greenblatt.

Die Teilnahme der US-Diplomaten an der Einweihung untergrabe die Zwei-Staaten-Lösung und "den Fakt, dass es niemals Frieden geben wird ohne Ost-Jerusalem als Hauptstadt von Palästina", sagte Erekat. Auch die Arabische Liga verurteilte das Verhalten der US-Diplomaten in einer Erklärung: Die US-Regierung habe sich das Projekt einer jüdischen Kolonialisierung Jerusalems zu eigen gemacht.

Israel hält Ost-Jerusalem seit dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 besetzt. Die Palästinenser werfen der US-Regierung eine einseitige Unterstützung Israels vor.