Trotz Waffenruhe: Zivilisten in Donezk getötet

Bewaffnete Soldaten kontrollieren ein blaues Auto an einem Kontrollpunkt.
Seit Beginn der Waffenruhe vor gut einem Monat sind mehr als 330 Menschen getötet worden.

In der Ostukraine wird weiter gekämpft: Trotz einer offiziell geltenden Waffenruhe sind bei Artilleriegefechten in der ostukrainischen Rebellenhochburg Donezk in der Nacht auf Mittwoch drei Zivilisten getötet worden. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Bei den Gefechten wurden demnach zwei Häuser vollständig zerstört. Der ukrainische Armeesprecher Andrej Lyssenko sagte am Mittwoch, binnen 24 Stunden seien zudem drei Soldaten getötet und zwölf weitere verletzt worden. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie in der Nacht aus der Richtung des umkämpften Flughafens von Donezk zahlreiche Geschoße abgefeuert wurden. Auch aus der Region Luhansk (Lugansk) meldeten die Behörden neue Gefechte.

Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine hatten sich am 5. September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk auf eine Waffenruhe verständigt. Diese wurde in den vergangenen Tagen aber immer häufiger verletzt.

Hauptbestandteil des Abkommens ist der Rückzug aller Kampfeinheiten auf jeweils mindestens 15 Kilometer hinter die Frontlinie. Die so entstehende 30 Kilometer breite Pufferzone soll unter die Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gestellt werden.

Mehr als 330 Tote seit vereinbarter Waffenruhe

Seit Beginn der Waffenruhe sind im umkämpften Osten der Ukraine mehr als 330 Menschen getötet worden. Das teilte die UNO-Menschenrechtskommission am Mittwoch in Genf mit.

Tote Seit dem Beginn der Feuerpause am 6. September wurden bis zum 6. Oktober nach Angaben der Vereinten Nationen 331 Todesopfer gezählt. Insgesamt ist die Zahl der Toten seit Beginn der Kämpfe Mitte April mittlerweile auf mindestens 3.660 gestiegen, wie aus dem Bericht des UNO-Büros für Menschenrechte hervorgeht. Weitere 8.756 Menschen seien verletzt worden.

Flüchtlinge Derzeit seien rund 376.000 Menschen auf der Flucht. Viele Bewohner des Konfliktgebiets seien ohne Einkünfte, weil in Folge der Gewalt fast 40.000 kleine und mittlere Betriebe ihre Arbeit eingestellt hätten.

Menschenrechtsverletzungen Eine Gruppe von 35 Beobachtern stellte im Auftrag der UNO zwischen dem 18. August und dem 16. September zudem zahlreiche Menschenrechtsverletzungen fest. "Bewaffnete Gruppen terrorisieren die Bevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten mit Entführungen, Folter und Misshandlungen", erklärte die Menschenrechtskommission. Zwischen dem 24. August und dem 5. September sei die Zahl der Gefangennahmen durch bewaffnete Gruppen stark angestiegen, es lägen alarmierende Berichte über Folter, Misshandlung und sexuelle Übergriffe gegen Gefangene vor, hieß es in dem UNO-Bericht.

Die Zahl der von dem Konflikt betroffenen Zivilisten bezifferte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Said Raad al-Hussein, auf mehr als fünf Millionen. Er forderte, dass alle Menschenrechtsverletzungen rückhaltlos untersucht und verfolgt werden müssten, darunter der Beschuss von Zivilisten, Morde, mutmaßliche sexuelle Gewalt, die illegale Beschlagnahmung von Eigentum sowie die Misshandlung von Gefangenen.

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