Rauch steigt über Donezk auf: Die Stadt steht unter Beschuss (Aufnahme vom 3.2.).

© APA/EPA/ALEXANDER ERMOCHENKO

Ukraine
02/04/2015

Granate trifft Krankenhaus in Donezk

Zahlreiche Tote befürchtet, Bezirk ist ohne Stromversorgung. Rebellen starten neuen Großangriff.

Während der Westen uneins ist, wie er auf die neue Eskalation im Osten der Ukraine reagieren soll (mehr zur Debatte lesen Sie hier), spitzt sich die Lage in den umkämpften Gebieten immer weiter zu: In Donezk wurde jetzt ein Krankenhaus von einer Granate getroffen, zahlreiche Tote und Verletzte werden befürchtet, meldet die Gebietsverwaltung.

Laut der Internetseite der Stadt sei eine Granate "um 12 Uhr mittags" in dem Gebäude eingeschlagen, bisher wurden vier Todesopfer gezählt. Auch die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass meldet den Angriff, der Kreml-nahe Nachrichtensender Russia Today hat auch Bilder des zerstörten Gebäudes gezeigt. Der gesamte Bezirk sei nach dem Angriff ohne Strom. Ein Todesopfer lag von einer Decke bedeckt vor dem Krankenhaus, dessen Fenster durch die Explosionen zu Bruch gingen. Vor einem benachbarten Wohnhaus lagen weitere Opfer. Vor der Klinik postierte Rebellen sagten, im Innern des Krankenhauses habe es keine Opfer gegeben.

Angreifer unklar

Von wem der Beschuss ausging, ist nicht klar: Russische Medien schreiben die Herkunft der Granate ausdrücklich der ukrainischen Armee zu. Separatistenführer Andrej Purgin warf der ukrainischen Armee vor, ein dicht bewohntes Viertel mit schwerer Artillerie beschossen zu haben, in dem sich auch das Krankenhaus befindet. Er forderte eine Untersuchung durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Die prorussische Separatisten hatten zuvor allerdings angekündigt, eine neuerliche Offensive zu starten. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 80 Ortschaften und Stellungen mit Raketen sowie Artillerie angegriffen worden, sagte ein offizieller Militärsprecher in Kiew am Mittwoch. Zwei Soldaten seien gefallen, 18 weitere seien verletzt worden.

Umkämpfter Eisenbahnknotenpunkt

Besonders umkämpft ist die Ortschaft Debalzewo nordöstlich von Donezk. Die Separatisten wollen diesen Eisenbahnknotenpunkt erobern, der nach Angaben westlicher Beobachter im Minsker Abkommen aber der Kontrolle durch die ukrainische Armee zugeschlagen würde. Mit der Eroberung der Stadt würden die Separatisten eine logistische Verbindung zwischen den beiden von ihnen kontrollierten Gebieten Luhansk und Donzek erhalten.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sprach der Agentur Interfax-Ukraine zufolge von 2.500 Zivilisten, die in Sicherheit gebracht worden seien. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU unterstütze die OSZE bei dem Bemühen, einen Waffenstillstand um Debalzewo auszuhandeln. Dieser müsse mindestens drei Tage gelten, damit Zivilisten das Kampfgebiet verlassen könnten.

Seit der Vereinbarung einer Waffenruhe im September haben pro-russische Rebellen Militärangaben zufolge etwa 300 ukrainische Soldaten getötet. Am Wochenanfang kündigten die Separatisten eine Massen-Mobilmachung an. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann. Die USA hatten sich zuletzt zu möglichen Waffenlieferungen an die ukrainische Armee zurückhaltend geäußert.

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