Slawjansk : Separatisten fliehen vor ukrainischer Armee
Ukrainische Einheiten haben militärische Erfolge in der Rebellenhochburg Slawjansk in der Ostukraine erzielt: Wie Präsident Petro Poroschenko am Samstag mitteilen ließ, wurde die Staxdt zurückerobert - er habe angeordnet, die ukrainische Flagge auf dem Rathaus in der seit April von Separatisten kontrollierten Stadt zu hissen.
Die Separatisten zogen sich nach Angaben der ukrainischen Regierung weitgehend aus ihrer Hochburg Slawjansk zurück. Rebellen-Kommandant Igor Strelkow und ein "Großteil" der aufständischen Kämpfer seien nach Geheimdienstinformationen vom Samstagmorgen aus der Stadt im Osten des Landes geflohen, erklärte Innenminister Arsen Awakow auf Facebook. Die Separatisten gestanden dies auch ein: Die zahlenmäßig weit überlegenen Regierungstruppen hätten sie mit einer groß angelegten Offensive gezwungen, Stellungen entlang ihrer nördlichen Front zu räumen, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax Aussagen des Separatisten-Anführers Alexander Borodai.
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"Die Stadt ist gefallen, alle ziehen sich zurück"
Eine Beobachterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bestätigte die Angaben des Innenministeriums zur Lage in Slawjansk. Die Separatisten hätten die Stadt am Morgen verlassen, schrieb Tatjana Lokschina in einer Twitter-Botschaft. "Sie sagten 'Die Stadt ist gefallen, alle ziehen sich zurück'." Strelkow hatte sich am Freitag an die Regierung in Moskau gewandt und gewarnt, seine Milizen könnten die Anfang April eroberte Stadt ohne russische Hilfe nicht mehr lange halten.
Offensive wird fortgesetzt
Poroschenko schloss unterdessen eine erneute einseitige Waffenruhe im Kampf gegen prorussische Separatisten aus. Einen Dialog könne es nur geben, wenn alle Konfliktparteien gleichermaßen die Bedingungen dafür einhalten würden, sagte Poroschenko nach Beratungen mit den Fraktionsvorsitzenden des ukrainischen Parlaments in Kiew.
Poroschenko will die Offensive indes fortsetzen. "Ich bin von Euphorie weit entfernt. Die Lage bleibt sehr kompliziert. Die Terroristen graben sich nun in den großen Städten ein", sagte der Staatschef in Kiew. Die Erfolge gäben ihm aber recht, dass er die Waffenruhe nicht verlängert habe. "Die Kämpfer haben die Feuerpause nicht unterstützt. Jetzt erhalten sie ihre verdiente Strafe dafür", so Poroschenko.
Amnestie
In die befreiten Orte sollten unverzüglich Brot, Wasser, Zucker und Fleisch gebracht werden, befahl der Präsident. "Außerdem sind bereits Arbeiter auf dem Weg, um die zerstörten Gebäude sowie Wasser- und Energieleitungen zu reparieren", betonte Poroschenko. Geheimdienstchef Valentin Naliwajtschenko sprach sich für eine Amnestie in den zurückeroberten Städten aus. "Viele normale Bürger dort unterlagen der Propaganda der Separatisten. Sie sollten eine zweite Chance erhalten", unterstrich er in Kiew.
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