Keine Waffenruhe: Rebellen nehmen Debaltsewe ein

Eine große Explosion hinter Bäumen und Strommasten vor blauem Himmel.
Kiew bestätigt das Vordringen pro-russischer Verbände. Mehrere Einheiten sind eingekesselt.

Nach und nach hatte sich der Zangengriff pro-russischer Milizen um die Stadt Debaltsewe geschlossen – begleitet von schweren Kämpfen. Am Dienstag drangen pro-russische Verbände in die Stadt selbst vor. Schwere Kämpfe wurden vom Bahnhof und dem Polizeihauptquartier gemeldet. Berichtet wurde von exzessivem Artillerie-Einsatz und davon, dass russische Spezialkommandos und Panzereinheiten an dem Vorstoß in großer Zahl beteiligt seien. Am Nachmittag meldeten die Separatisten die faktische Einnahme der Stadt. Das Innenministerium in Kiew bestätigte Straßenkämpfe. "Die Terroristen haben Teile der Stadt unter ihrer Kontrolle", teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Dienstag online mit. Zudem gab die ukrainische Armee erstmals zu, dass die prorussischen Separatisten "mehrere" Militäreinheiten in Debalzewe eingekesselt haben. Es gebe weiter "heftige Kämpfe".

Keine Rede ist mehr von Waffenstillstand in der Ukraine. Nach dessen formellem Inkrafttreten am Sonntag sollten die Konfliktparteien am Dienstag beginnen, ihre schweren Waffen zurückzuziehen. Laut dem Abkommen von Minsk müssten sich die Separatisten auf die Linie vom 19. September 2014 zurückziehen – Debaltsewe läge dann auf dem Gebiet der ukrainischen Armee.

Kampf um Debaltsewe

Während die Kämpfe an anderen Frontabschnitten seit Sonntag etwas abflauten, hatte sich die Lage um Debaltsewe zugespitzt. Am Sonntag hatten auch die Beobachter der OSZE beklagt, von den Russland-treuen Verbänden nicht in das Kampfgebiet um die Stadt vorgelassen zu werden. Und auch im bilateralen Kontrollgremium des inexistenten Waffenstillstandes kriselt es. Am Dienstag soll ein Treffen des "Gemeinsamen Zentrums zur Kontrolle und Koordination" bestehend aus ukrainischen und russischen Militärs, im von ukrainischen Kräften gehaltenen Soledar beinahe in Handgreiflichkeiten eskaliert sein.

Der vergangenen Donnerstag so mühsam in Minsk verhandelte Fahrplan zurück in die Diplomatie scheint damit im Ansatz gescheitert. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel telefonierte am Dienstag mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Merkel-Sprecher Steffen Seibert sagte, man habe zumindest "konkrete Schritte" vereinbart, um eine Beobachtung der Kämpfe durch die OSZE zu ermöglichen.

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