Politik | Ausland
22.03.2017

Türkischer Vize-Premier schlägt versöhnlichere Töne an

Mehmet Simsek hofft, dass sich die Rhetorik nach den Wahlkämpfen wieder beruhigt und man wieder zu einer positiven Agenda kommt.

Im Streit zwischen der Türkei und der EU schlägt Ankara versöhnlichere Töne an. Er hoffe, dass sich die Rhetorik nach den Wahlkämpfen in der Türkei und Europa "wieder beruhigen wird und wir zu einer positiven Agenda zurückkehren können", sagte Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek dem Handelsblatt.

"Die Türkei hat in einer Weise auf Krisen reagiert, die leider so wahrgenommen wird, als ob die Türkei sich vom Westen entfernt", sagte Simsek. Der Wunsch, europäische Standards zu erreichen, sei in der Türkei aber immer noch stark. Falls die EU in eine Union verschiedener Geschwindigkeiten übergehe, sieht Simsek Raum für eine vertiefte Integration in einzelnen Kernbereichen. "Das wäre für alle Seiten vorteilhaft", erklärte der Stellvertreter von Ministerpräsident Binali Yildirim.

Simsek für Verfassungsreform

Zugleich verteidigte Simsek die von seiner Partei AKP angestrebte Verfassungsreform, die Präsident Recep Tayyip Erdogan eine große Machtfülle verleihen würde. Europa solle zudem in Bezug auf Wahlkampfauftritte türkischer Politiker keine Doppelstandards anwenden. "Schließlich dürfen Gruppierungen wie die PKK, die sogar in Europa verboten sind, zu Demonstrationen aufrufen, aber wir dürfen nicht auftreten. Das ist schwer zu verstehen", sagte er.

Zuvor hatte in Deutschland auch schon Sportminister Akif Cagatay Kilic um Verständnis geworben. Erdogan reagierte aber auf die Untersagung von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Europa und besonders Deutschland wiederholt mit wüsten Schmähungen bis hin zu Nazi-Vergleichen. Die Beziehungen sind seitdem auf dem Tiefpunkt.