Politik | Ausland
22.03.2018

Türkei weist Merkels Kritik an Afrin-Einsatz scharf zurück

Merkel im #Neuland des Internet-Spotts © Bild: APA/Thomas de Maiziere

Verbündete sollten nicht Desinformation von "Terroristen" glauben, teilte das türkische Außenministerium mit.

Die Türkei hat die Kritik von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am türkischen Militäreinsatz im syrischen Afrin scharf zurückgewiesen. Merkels Äußerungen vor dem Bundestag am Mittwoch seien "bedauerlich" und "inakzeptabel", erklärte das türkische Außenministerium am Mittwochabend laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Kritik am türkischen Vorgehen gegen die kurdische YPG-Miliz beruhe auf "Desinformation" und sei "fernab der Realität". "Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo Tausende und Abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen", hatte Merkel im Bundestag gesagt. Sie verurteilte die Offensive der syrischen Regierungstruppen auf die Rebellenenklave Ost-Ghouta und fügte dann mit Blick auf das türkische Vorgehen hinzu, auch dies "verurteilen wir auf das Schärfste".

Operation Olivenzweig als Vorbild

Das Außenministerium in Ankara erklärte dazu, es finde die Tendenz seiner Verbündeten "extrem merkwürdig", die Ereignisse "durch die Augen von Terrororganisationen" zu betrachten, und warnte davor, den "Desinformationsoperationen" von "Terroristen" Glauben zu schenken. "Die Operation Olivenzweig ist ein Vorbild, wie man den Terrorismus bekämpft ohne Zivilisten Schaden zuzufügen", erklärte das Außenministerium.

Die türkische Armee hatte am Sonntag mit verbündeten syrischen Rebellen die Stadt Afrin eingenommen, die bisher von der kurdischen YPG-Miliz kontrolliert worden war. Die Türkei betrachtet die Gruppe wegen ihren engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung und will sie von ihrer Grenze vertreiben. International ist der Einsatz umstritten und auch in der Bundesregierung gibt es starke Zweifel an seiner Legalität.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Mittwoch auch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Offensive. Wie aus seinem Umfeld verlautete, "informierte" Erdogan seinen deutschen Kollegen über das Vorgehen in Afrin. Sie hätten die Bedeutung der Kooperation gegen den Terror betont, hieß es. Auch habe Erdogan seinen Willen bekräftigt, enger mit der neuen deutschen Bundesregierung zusammenzuarbeiten.