Türkei holte Soldaten aus Syrien zurück

Soldaten hissen bei Nacht die türkische Flagge auf einem Hügel.
Türkische Streitkräfte bewachten Grabmal in von IS-Miliz belagertem Gebiet.

Mit einem Militäreinsatz in Syrien hat die Türkei Dutzende eigene Soldaten aus dem Nachbarland in Sicherheit gebracht. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Sonntag, die nächtliche Aktion sei erfolgreich abgeschlossen worden. Demnach drang eine Kolonne aus rund 100 Militärfahrzeugen auf syrisches Gebiet vor, darunter 39 Panzer.

Zusammenstöße mit der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gab es Davutoglus Worten zufolge nicht. Jedoch sei ein Soldat bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die syrische Regierung warf der Türkei eine "unverhohlene Aggression" vor.

Mausoleum bewacht

Durch den Einsatz seien 38 Soldaten wohlbehalten zurück in die Türkei gebracht worden, sagte Davutoglu auf einer Pressekonferenz in Ankara. Sie hatten in Syrien das Grabmal von Suleyman Shah bewacht, der als Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches gilt. Das Mausoleum wurde nach früheren Angaben der türkischen Regierung von IS-Kämpfern bedroht.

Die Grabstätte befand sich auf einer Halbinsel im Fluss Euphrat etwa 30 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Nach Ansicht der Regierung in Ankara handelt es sich um eine türkische Exklave. Sie beruft sich auf einen Vertrag mit Frankreich aus dem Jahr 1921. Damals wurde Syrien von Frankreich beherrscht.

Davutoglu sagte, die Regierung habe für die Aktion weder Erlaubnis eingeholt noch Unterstützung erbeten. Aber die internationale Koalition gegen den IS sei nach Beginn darüber informiert worden.

Der Premier erklärte weiters, "die Reliquien" aus dem Mausoleum seien in die Türkei gebracht worden, doch sollten sie in wenigen Tagen in der syrischen Region Eshme an der türkischen Grenze beigesetzt werden. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Soldaten dort die türkische Flagge hissten. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, sie werde nun an diesem "neuen Ort" wehen, "um die Erinnerung an unsere Vorfahren zu bewahren".

Damaskus: "Unverhohlene Aggression"

Das syrische Außenministerium verurteilte den Einsatz. "Die Türkei begnügt sich nicht damit, den Banden des Islamischen Staats, der Al-Nusra-Front und anderen Terrorgruppen wie Al-Kaida jede mögliche Form der Unterstützung zu gewähren, sondern hat nun auch in der Früh eine unverhohlene Aggression gegen syrisches Gebiet geführt", erklärte das Ministerium. Das syrische Konsulat sei zwar am Vorabend informiert worden, doch habe Ankara eine Zustimmung Syriens nicht abgewartet.

Ankara hatte bereits wiederholt gewarnt, dass das Mausoleum türkisches Hoheitsgebiet sei und die Armee bei Gefahr eingreifen werde. Die Türkei betonte aber auch, das Grabmal selbst sei von den Jihadisten nicht besetzt worden. Große Gebiete im Norden und Osten Syriens stehen seit Monaten unter Kontrolle der IS-Miliz, die im syrischen Bürgerkrieg gegen andere Rebellengruppen und die Regierungstruppen kämpft. Der IS und andere Extremistengruppen lehnen die Verehrung von Gräbern als Götzendienst ab. Sie haben bereits eine Reihe von Gräbern und Moscheen in Syrien zerstört.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf den syrischen Regierungstruppen unterdessen am Samstag vor, ein "Massaker" angerichtet und mindestens 48 Rebellen und Zivilisten erschossen zu haben. Nach der Einnahme der Ortschaft Raitan in der Provinz Aleppo hätten Soldaten am Dienstag 13 Rebellen und ihre Familienangehörigen getötet, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman. Unter den Todesopfern seien auch zehn Kinder und fünf Frauen. Die Armee widersprach den Angaben.

Vier weitere Tote gab es am Samstag bei einem Anschlag in der Heimatstadt von Präsident Bashar al-Assad im Westen Syriens. Ein Selbstmordattentäter habe vor einer Klinik in Qardaha einen Krankenwagen in die Luft gejagt, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle mit. Deren Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

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