Erdogan: Erster Auftritt seit Sonntag

© REUTERS/UMIT BEKTAS

Türkei
06/11/2015

Erdogan ist wieder da

Erster Auftritt nach Wahldesaster. Alle sollten nun einmal das "Ego beiseite lassen“, plädiert Erdogan.

Am fünften Tag war er wieder da: Nach einer ungewöhnlich langen Strecke des Schweigens nach der Wahlschlappe seiner AKP am Sonntag hat sich der türkische Präsident wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Bei einer Rede in Ankara forderte er eine rasche Regierungsbildung. Der Wähler habe keiner Partei die absolute Mehrheit im Parlament zugewiesen, so Erdogan. Das Wesen einer Demokratie sei es, in einer solchen Lage Lösungen zu finden. Erdogan forderte Kompromissbereitschaft von den Parteien. Jeder solle nun „sein Ego beiseite lassen“, sagte er vor Studenten.

Im Ton war Erdogans Rede wesentlich staatstragender und versöhnlicher als seine von scharfen Angriffen auf die Opposition gekennzeichneten Ansprachen im Wahlkampf. Er bedankte sich bei allen Wählern und hob besonders die türkischen Wähler im Ausland hervor. Auch die Kritik westlicher Medien an seinem autokratischen Führungsstil nahm Erdogan gelassen: Wenn von dieser Seite Lob für ihn käme, müsste er ja an sich zweifeln, sagte der 61-Jährige.

Bei der Wahl am Sonntag hatte die islamisch-konservative AKP nach zwölf Jahren an der Macht ihre absolute Mehrheit verloren. Sie ist nun auf einen Koalitionspartner angewiesen. Auch Erdogans Pläne zur Errichtung eines Präsidialsystems sind damit vorerst vom Tisch. In Ankara wird über eine Regierungskoalition zwischen der islamisch-konservativen AKP und der säkularistischen CHP spekuliert.

Die Kurden-Partei HDP warb zuletzt für eine Koalition unter Ausschluss der seit mehr als einem Jahrzehnt AKP. Seine Partei sei offen für alle Koalitionen - mit Ausnahme eines Bündnisses mit der AKP, sagte HDP-Chef Selahattin Demirtas. "Jetzt die Türkei in eine Debatte über eine Neuwahl zu ziehen, hilft nichts", fügte er hinzu. Der Sprung der HDP über die Zehn-Prozent-Hürde war entscheidend für die Wahlschlappe der Erdogan-Partei.

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