Politik | Ausland
30.06.2017

Kritik an Zeman nach umstrittenen Äußerungen zu KZ Lety

Der tschechische Präsident ist gegen die Auflösung einer Schweinemast auf dem Lagergelände.

Die Unterstützung des tschechischen Präsidenten Milos Zeman für einen Schweinemastbetrieb auf einem ehemaligen KZ-Gelände für Roma hat bei Anti-Rassismus-Aktivisten für Empörung gesorgt.

Mit seinen Äußerungen beleidige Zeman alle Opfer und Überlebenden der NS-Rassen- und Vernichtungspolitik sowie deren Angehörige, sagte Miroslav Broz von der tschechischen Anti-Rassismus-Vereinigung Konexe am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Zeman: "Vielleicht ein KZ"

Der tschechische Präsident hatte sich am Donnerstag gegen die Auflösung der Schweinefarm ausgesprochen, die noch während der kommunistischen Ära in den 1970er-Jahren auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers in dem südlich von Prag gelegenen Ort Lety errichtet worden war. Nach seinen Angaben würde dies den Steuerzahler umgerechnet 38 Millionen Euro kosten - eine Zahl, die von Kritikern angezweifelt wird.

Gleichzeitig schien Zeman die Geschichte des Lagers herunterzuspielen. Nach seinen Angaben gab es in Lety ein "Arbeitslager und vielleicht ein KZ". Anti-Rassismus-Aktivist Broz warf Zeman daraufhin "Populismus" vor. Mit seinen Äußerungen trage der Staatschef der latenten "Zigeunerfeindlichkeit" der Bevölkerung Rechnung. Auch Menschenrechtsgruppen und internationale Institutionen wie etwa das Europäische Parlament kritisierten Zemans Äußerungen und forderten die Schließung des Betriebs.

Entsprechende Entschädigung gefordert

Zwischen August 1942 und Mai 1943 waren in Lety rund 1.300 Roma interniert. Die meisten von ihnen wurden anschließend in das NS-Todeslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort vergast. Knapp 330 Roma, darunter über 240 Kinder, starben bereits in Lety, viele an Typhus. Insgesamt wurden rund 90 Prozent der tschechischen Roma unter den Nazis getötet.

Die Firma Agpi als derzeitige Besitzerin der Schweinemast ist zu einer Verlegung des Betriebs bereit, fordert aber eine entsprechende Entschädigung. Kulturminister Daniel Herman hatte zuvor gesagt, er rechne mit einer Einigung vor Ablauf des Regierungsmandats im Herbst 2017.