Kritik an Zeman nach umstrittenen Äußerungen zu KZ Lety

Der tschechische Präsident ist gegen die Auflösung einer Schweinemast auf dem Lagergelände.

Die Unterstützung des tschechischen Präsidenten Milos Zeman für einen Schweinemastbetrieb auf einem ehemaligen KZ-Gelände für Roma hat bei Anti-Rassismus-Aktivisten für Empörung gesorgt.

Mit seinen Äußerungen beleidige Zeman alle Opfer und Überlebenden der NS-Rassen- und Vernichtungspolitik sowie deren Angehörige, sagte Miroslav Broz von der tschechischen Anti-Rassismus-Vereinigung Konexe am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Traktor pflügt ein Feld vor einer landwirtschaftlichen Anlage.
(FILES) This file photo taken on May 04, 2005 shows a tractor passing by a huge industrial pig farm situated at the site of former concentration camp in Lety, south Bohemia. The Czech government is close to an agreement on a rebuy of the pig farm situated at the site of former concentration camp in Lety has stated Czech Culture minister Daniel Herman on August 2, 2016. / AFP PHOTO / MICHAL CIZEK

Zeman: "Vielleicht ein KZ"

Der tschechische Präsident hatte sich am Donnerstag gegen die Auflösung der Schweinefarm ausgesprochen, die noch während der kommunistischen Ära in den 1970er-Jahren auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers in dem südlich von Prag gelegenen Ort Lety errichtet worden war. Nach seinen Angaben würde dies den Steuerzahler umgerechnet 38 Millionen Euro kosten - eine Zahl, die von Kritikern angezweifelt wird.

Gleichzeitig schien Zeman die Geschichte des Lagers herunterzuspielen. Nach seinen Angaben gab es in Lety ein "Arbeitslager und vielleicht ein KZ". Anti-Rassismus-Aktivist Broz warf Zeman daraufhin "Populismus" vor. Mit seinen Äußerungen trage der Staatschef der latenten "Zigeunerfeindlichkeit" der Bevölkerung Rechnung. Auch Menschenrechtsgruppen und internationale Institutionen wie etwa das Europäische Parlament kritisierten Zemans Äußerungen und forderten die Schließung des Betriebs.

Eine Gruppe von Menschen hält gerahmte Fotos vor einem grünen Tor.
Participants of the European Meeting of Antiracist Leaders hold pictures in front of a pig farm, situated at the site of a former Roma concentration camp, to commemorate victims of the Holocaust during World War Two in the village of Lety June 13, 2014. The Lety camp was established during Nazi occupation in 1942 and the pig farm was built on its site in 1970. REUTERS/David W Cerny (CZECH REPUBLIC - Tags: POLITICS SOCIETY CONFLICT)

Entsprechende Entschädigung gefordert

Zwischen August 1942 und Mai 1943 waren in Lety rund 1.300 Roma interniert. Die meisten von ihnen wurden anschließend in das NS-Todeslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort vergast. Knapp 330 Roma, darunter über 240 Kinder, starben bereits in Lety, viele an Typhus. Insgesamt wurden rund 90 Prozent der tschechischen Roma unter den Nazis getötet.

Die Firma Agpi als derzeitige Besitzerin der Schweinemast ist zu einer Verlegung des Betriebs bereit, fordert aber eine entsprechende Entschädigung. Kulturminister Daniel Herman hatte zuvor gesagt, er rechne mit einer Einigung vor Ablauf des Regierungsmandats im Herbst 2017.

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