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Politik Ausland
10/31/2020

Trump: In Europa zeigt sich Nutzlosigkeit harter Lockdowns

US-Präsident vermisst Anerkennung für Umgang mit Pandemie. Und er geht davon aus, dass ihn einige Länder nach der Wahl "loswerden" wollen.

US-Präsident Donald Trump hat kurz vor der Wahl in den USA die Wirksamkeit strenger Alltagsbeschränkungen sowie Europas Umgang mit dem Coronavirus infrage gestellt. "Die explodierenden Fälle in Europa haben gezeigt, dass drakonische Lockdowns - das sind sie, drakonisch - das Virus nicht aufhalten", sagte der Republikaner am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Newton im Bundesstaat Pennsylvania. "Italien war so im Lockdown - und jetzt fängt es wieder von vorne an."

Trump brüstete sich drei Tage vor dem Wahltermin am Dienstag zudem damit, dass die Übersterblichkeit in den USA 40 Prozent niedriger sei als in Europa. "Und Europa hat einen guten Job gemacht, das ist ein sehr brutales Ding. Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut. Aber es geht denen nicht gut", sagte er. "Man sieht gerade, was da drüben abgeht, Frankreich wieder, Spanien, Italien. Uns geht es gut. Wir bekommen nur keine Anerkennung dafür."

Auf welche Zahlen sich Trump mit seiner Aussage berief, war unklar. Die Übersterblichkeit gibt an, wie viele Menschen in einem gewissen Zeitraum mehr gestorben sind als zu einem vergleichbaren früheren Zeitraum.

Bis zu 320.000 Tote

In den USA schwankt eine Vorhersage der Gesundheitsbehörde CDC zwischen rund 236.000 und 318.000 Toten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Die USA sind ein Land mit rund 330 Millionen Einwohnern und haben nach Angaben der Johns Hopkins Universität mehr als 230.000 bestätigte Corona-Tote.

Das europäische Bündnis Euromomo geht von aktuell rund 223.000 durch das Virus gestorbenen Menschen in den Ländern aus, die Daten zuliefern. In der Europäischen Union leben derzeit rund 448 Millionen Menschen, nicht alle EU-Länder liefern Daten für Euromomo zu.

Trump stellt sich am 3. November zur Wiederwahl, liegt in landesweiten Umfragen aber hinter seinem Herausforderer Joe Biden. Wegen des komplizierten Wahlsystems sind die Umfragen aber nur begrenzt aussagekräftig. Der Präsident spielt die Gefahr des Coronavirus seit Monaten herunter und wehrt sich gegen strenge Präventionsmaßnahmen in den USA.

"Deutschland will mich loswerden"

US-Präsident Trump geht zudem davon aus, dass ihn viele Länder bei den US-Wahlen am Dienstag verlieren sehen wollen - auch Deutschland. "China will mich loswerden. Der Iran will mich loswerden. Deutschland will mich loswerden", sagte Trump am Samstag bei dem Wahlkampfauftritt in Reading, Pennsylvania.

Trump hat in den vergangenen vier Jahren seine Außenpolitik unter das Motto "America First" (Amerika zuerst) gestellt und des öfteren traditionelle Verbündete in Europa bewusst vor den Kopf gestoßen. Insbesondere das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich während seiner Amtszeit deutlich verschlechtert. Zugleich suchte Trump bewusst die Nähe zu kleinen mitteleuropäischen Staaten - darunter Österreich.

Ein immer wiederkehrendes Streitthema waren die Militärausgaben Deutschlands, die aus Trumps Sicht zu niedrig sind. Als Konsequenz hat er den Abzug von rund einem Drittel der in Deutschland stationierten US-Soldaten angekündigt.

Bei der Wahl am kommenden Dienstag bewirbt sich Trump um eine zweite Amtszeit. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden bekennt sich zur multilateralen Zusammenarbeit. Er war unter Ex-Präsident Barack Obama acht Jahre lang Vizepräsident und ist somit ein bekanntes Gesicht für langjährige Verbündete und Partner der USA.

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