Politik | Ausland
15.06.2018

"Titanic" narrte Medien mit Falschmeldung über Aus für Union

Das deutsche Satiremagazin sorgte mit Tweet über angebliches Ende der Fraktionsgemeinschaft von CDU/CSU für Aufsehen.

Das Satiremagazin Titanic hat kurzzeitig mit einer gefälschten Meldung über ein angebliches Ende der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU in Deutschland für Aufregung gesorgt. Unter einer gefälschten Absenderadresse des Hessischen Rundfunks (HR) verbreitete ein Titanic-Redakteur am Freitag die Nachricht, CSU-Chef Horst Seehofer kündige „laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf“. Die vermeintliche heikle Neuigkeit schaffte es vorübergehend in verschiedene Medien.

"HR: Seehofer kündigt Unionsbündnis mit CDU auf", berichtete die renommierte Nachrichtenagentur Reuters um 12:21 Uhr. Die Meldung berief sich auf einen Tweet eines Twitter-Accounts namens "HR -Tagesgeschehen", der sich wiederum auf eine interne angebliche E-Mail des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) bezog. Darunter standen ein Foto von Bouffier und das gefälschte Zitat "...müssen wir uns jetzt darauf vorbereiten, schon bei der nächsten Bundestagswahl mit einer neuen Bayern-CDU anzutreten".

Bild.de veröffentlichte die Agenturmeldung umgehend als Eilmeldung mit dem Titel: "Seehofer kündigt Unionsbündnis mit CDU auf".

Um 12:28 Uhr schickte die Deutsche Presse Agentur einen redaktionellen Hinweis aus, wonach der Account „hr Tagesgeschehen“, über den der Tweet gesendet wurde, kein Account des Hessischen Rundfunks sei. Er gehe auf den Twitter-Account von Moritz Hürtgen zurück, Redakteur bei Titanic. Darauf ließ auch der Accountnahme @hrtgn schließen, der üblicherweise Hürtgen gehört. Dieser hat sein verifiziertes Twitterkonto offenbar zwischenzeitlich auf „hr Tagesgeschehen“ geändert und mit einem entsprechenden Logo versehen.

"Offiziell Quatsch"

12:40 ruderte dann auch Reuters mit einem offiziellen Dementi zurück: "Ich kann offiziell sagen, dass das Quatsch ist.", sagte der Vizechef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach, der Nachrichtenagentur. "Wir wollen die Fraktionsgemeinschaft (mit der CDU) und die Koalition erhalten.“ Seiner Partei gehe es um Sachlösungen im Flüchtlingsstreit.

Zu der Meldung, dass Innenminister Seehofer das Bündnis mit der CDU aufkündigen wolle, sagte Michelbach: "Das kann er gar nicht". Dazu würde es eines Vorstandsbeschlusses bedürfen. Ein Sprecher des Hessischen Rundfunks (HR) sagte Reuters, der Account gehöre nicht zum HR. 

Streit um Asylpolitik

Seehofer hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im seit Tagen schwelenden Streit um die deutsche Asylpolitik mit einem "Alleingang" gedroht. In der Sitzung der CSU-Bundestagsabgeordneten sagte Seehofer, er könne die Zurückweisungen von Flüchtlingen an der Grenze per Ministerentscheid durchsetzen, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Merkel lehnt diesen Schritt ab. In einer zeitgleich stattfindenden Sondersitzung der CDU-Fraktion im Bundestag stellte sich nach Teilnehmerkreisen die Mehrheit der über 40 bisherigen Redner hinter den Kurs Merkels in der Flüchtlingspolitik. In der Debatte betonten demnach viele, dass es um mehr als Flüchtlinge, sondern um Grundsätze der Europapolitik gehe. Zu den Merkel-Unterstützern habe auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gehört, sagten Teilnehmer. Es habe aber auch abweichende Stimmen gegeben, die forderten, die CSU-Position zu übernehmen.

Für die Beratungen der Unionsabgeordneten war eigens die Plenarsitzung des Bundestags unterbrochen worden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte zuvor den "geordneten Multilateralismus" für beendet erklärt und einen deutschen Alleingang gefordert.

In dem Streit geht es um Seehofers Forderung, Flüchtlinge an den deutschen Grenzen zurückzuweisen, wenn diese bereits in anderen europäischen Ländern registriert wurden. Merkel lehnt nationale Alleingänge in dieser Frage ab und setzt auf Lösungen auf europäischer Ebene. Ein Kompromissvorschlag Merkels lautete, nur Personen, deren Asylantrag in Deutschland bereits abgelehnt worden sei, sollten bei einem erneuten Versuch der Einreise sofort zurückgewiesen werden.