Politik | Ausland 09.04.2018

Verwirrung um Angriff auf syrischen Militärflughafen

© Bild: APA/AFP/STRINGER

Viele Tote nach Luftangriff auf syrische Airbase. Russland macht Israel dafür verantwortlich. Rebellen verlassen unterdessen letzte Hochburg in Ost-Ghouta.

Verwirrung und internationale Schuldzuweisungen nach einem tödlichen Luftangriff in Syrien: Russland und Syrien machen das israelische Militär für den Angriff auf die syrische Militärbasis in Homs verantwortlich. Zwei israelische Kampfjets vom Typ F-15 hätten in der Nacht zum Montag aus dem libanesischen Luftraum heraus acht Raketen auf den Flugplatz Taifur (T4) abgefeuert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Die syrische Luftabwehr habe fünf der Raketen abgefangen. Die drei anderen hätten den westlichen Teil des Geländes getroffen, hieß es. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, israelische Jets hätten mehrere Raketen auf Syrien abgeschossen.

USA und Frankreich: "Wir waren es nicht"

Zuvor hatten syrische Staatsmedien berichtet, für den Angriff seien womöglich die USA verantwortlich. Später wurde nicht mehr auf die USA Bezug genommen. Das US-Verteidigungsministerium erklärte daraufhin, "derzeit keine Luftangriffe in Syrien" auszuführen.

Nach den USA hatte auch Frankreich erklärt, nicht für den Angriff auf einen syrischen Militärflughafen verantwortlich zu sein. "Wir waren es nicht", sagte der Sprecher des französischen Generalstabs, Patrik Steiger, am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Paris.

Auch iranische Kämpfer unter den 14 Toten

Bei dem Angriff sind nach Angaben von Aktivisten 14 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch iranische Kämpfer, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Zuvor hatten syrische Staatsmedien berichtet, mehrere Geschoße hätten in der Nacht auf Montag den Flughafen Taifur im Zentrum des Landes getroffen.

Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle sind auf dem Flughafen Taifur - auch als T-4 bekannt - russische und iranische Einheiten sowie Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz stationiert. Sie alle sind mit Syriens Machthaber Bashar al-Assad verbündet.

Rebellen verlassen Ost-Ghouta

Syrische Rebellen - und Zivilisten - haben ihren Abzug aus der letzten von ihnen kontrollierten Stadt in Ost-Ghouta begonnen. Das teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntagabend mit. Die Evakuierung der Stadt Duma (Douma) war mit russischer Hilfe ausgehandelt worden.

Laut einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana sollten die Kämpfer der Gruppe Jaysh al-Islam (Armee des Islam) und ihre Familien mit Bussen in die nordsyrische Stadt Jarablus gebracht werden.

A child cries as they have their face wiped following alleged chemical weapons attack, in what is said to be Douma
© Bild: REUTERS/SOCIAL MEDIA

Zuvor waren die Kämpfe zwischen der islamistischen Rebellengruppe und der syrischen Armee eskaliert. Hilfsorganisationen und Aktivisten warfen der Armee vor, am Samstagabend eine Bombe mit Giftgas über Duma abgeworfen zu haben. Nach unterschiedlichen Angaben sollen dabei zwischen 70 und mehr als 150 Menschen getötet worden sein. Russland und die syrische Führung hatten die Vorwürfe als "fabrizierte Anschuldigungen" und "Provokation" zurückgewiesen.

 

( Agenturen ) Erstellt am 09.04.2018