Politik | Ausland
08.04.2018

Syrien: Fliehende Zivilisten müssen 1.000 Dollar zahlen

Syrische Truppen verhindern laut Humans Right Watch die Flucht von Zivilisten aus der umkämpften Stadt Afrin.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten schwere Vorwürfe im Umgang mit Zivilisten in Afrin gemacht. Menschen, die aus der von der türkischen Armee und ihren Verbündeten eingenommenen Stadt fliehen wollten, sei der Fluchtweg versperrt worden, teilte HRW in einer Mitteilung am Sonntag mit.

Geplündert und zerstört

Verbündete der türkischen Armee hätten zudem Eigentum von Zivilisten geplündert oder zerstört. Die humanitären Zustände seien für alle Menschen, die vor den Kämpfen in Afrin geflohen seien, bereits akut, sagte die stellvertretende Nahost-Direktorin von HRW, Lama Fakih. Diejenigen, denen Zugang zu Regierungsgebieten verweigert und deren Eigentum geplündert werde, seien besonders schutzlos.

Die Menschenrechtsorganisation berichtete, dass Zivilisten an Straßensperren aufgefordert worden seien, umgerechnet bis zu 1.000 US-Dollar (817,39 Euro) zu zahlen, um in Gebiete zu gelangen, die unter Kontrolle der syrischen Regierung stehen. Zudem hätten mehrere bewaffnete Gruppen, die zusammen mit der Türkei Afrin eingenommen hatten, Zivilisten bedroht und ausgeraubt.

Unter türkischer Kontrolle

Die türkische Armee hatte vor gut zwei Wochen die Region Afrin im Nordwesten Syriens unter ihre Kontrolle gebracht. Das kurdische Gebiet wurde zuvor von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und rechtfertigte die Offensive mit dem Kampf gegen Terrorismus.