Die UNO hat die belagerte Großstadt erreicht - die Waffenruhe hält nicht, der Konvoi wurde beschossen.
09.02.14, 10:09
Zum ersten Mal haben Helfer dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente in seit Monaten belagerten syrische Stadt Homs gebracht. Ein erster Hilfskonvoi erreichte die Altstadt am Samstag, wie die Hilfsorganisation Roter Halbmond mitteilte. Zuvor hatte sich die Hilfslieferung stundenlang verzögert, weil der Konvoi beschossen worden war.
United Nations members talk with Sheikh Abu Harith al-Khalidi (R), who is in charge of negotiations for civilians inside the besieged area of Homs, February 8, 2014. REUTERS/Yazan Homsy (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)
Wie der
Rote Halbmond, die Entsprechung des
Roten Kreuzes, auf
Twitter mitteilte, verteilten Mitarbeiter der Hilfsorganisation und der Vereinten Nationen 250 Pakete mit Lebensmitteln, 190 Hygiene-Sets und
Medikamente. Anschließend verließen die Helfer die Altstadt wieder.
United Nations members arrive to the besieged neighbourhoods of Homs to supply humanitarian aid February 8, 2014. REUTERS/Yazan Homsy (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)
Auf der Fahrt nach
Homs war der Fahrzeugkonvoi nach Angaben des
Roten Halbmonds beschossen worden. Ein Fahrer des Lastwagenkonvois sei dabei leicht verletzt worden. Der
Rote Halbmond äußerte sich nicht zu der Frage, von wem die Angriffe auf den Konvoi ausgingen. Regierung und islamistische Aufständische hatten sich gegenseitig vorgeworfen, die am Freitag vereinbarte dreitägige
Waffenruhe für
Homs gebrochen zu haben.
Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana warf Gouverneur Talal al-Barazi "bewaffneten Terrorgruppen" vor, das Polizeihauptquartier mit Mörsern beschossen zu haben. Eine Aktivistengruppe im Zentrum von Homs erklärte dagegen, die Altstadt und eine Straße, über welche die Hilfslieferungen gebracht werden sollten, seien mit Granaten beschossen worden. Diese seien aus Vierteln abgefeuert worden, die von den Regierungstruppen gehalten würden.
The Homs City Center building is pictured in the besieged area of Homs February 8, 2014. REUTERS/Yazan Homsy (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)
In der von Rebellen im Sommer 2012 eingenommenen und von Regierungstruppen umstellten Altstadt von
Homs sitzen nach UNO-Angaben rund 2.500 Zivilisten ohne ausreichende Nahrung und
Medikamente fest. Schon seit Monaten stehen die dringend benötigten
Hilfsgüter in einem UNO-Lagerhaus außerhalb der Stadt bereit.
Nach Angaben eines UNO-Vertreters sollten insgesamt Notrationen für 2.500 Menschen, Medikamente, Bettzeug, Bargeld und andere
Hilfsgüter nach Homs gebracht. Sie seien sowohl für diejenigen bestimmt, die die Stadt verlassen, als auch für diejenigen, die dortbleiben wollten.
Activists walk by a cloth screen used to block the view of snipers prior to the arrival of the United Nation members to the besieged neighbourhoods of Homs to supply humanitarian aid February 8, 2014. REUTERS/Yazan Homsy (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)
Am Freitag, dem ersten Tag des von der
UNO vermittelten Waffenstillstands, hatten mehr als 80 Frauen, Kinder und ältere Männer die umkämpften Viertel verlassen können. Am Samstag und Sonntag sollte die Hilfsaktion fortgesetzt werden. Bei der internationalen Syrien-Konferenz Ende Jänner in
Genf hatte die syrische Regierung zugesagt, die Hilfsaktion für die Menschen in
Homs zu ermöglichen. Doch gab es erst diese Woche eine Einigung auf den konkreten Ablauf.
Gespräche gehen weiter
Am Montag gehen die Friedensgespräche in der Schweiz weiter. Zur Vorbereitung der Konferenz telefonierte US-Außenminister John Kerry am Samstag mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Nach Angaben des Außenministerium ins Moskau ging es in dem Telefonat um "die Situation in Syrien" und die neuen Verhandlungen.
In dem Land herrscht ein Bürgerkrieg, der im März 2011 mit Protesten gegen Präsident Bashar al-Assad begonnen hatte. Am Samstag wurden bei Fassbomben-Angriffen in Aleppo mindestens 20 Menschen getötet, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Auch die Rebellenhochburg Daraya südwestlich von Damaskus wurde demnach mit aus Hubschraubern abgeworfenen sprengstoffgefüllten Fässern bombardiert. Weitere 16 Tote gab es demnach in der Provinz Daraa im Süden des Landes.
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