Spät und viel zu wenig: Hilfe für Syrien
Versprochen wurde viel – gehalten bestenfalls die Hälfte davon. Doch im vierten Jahr des Bürgerkrieges in Syrien ist die Lage für Millionen Menschen bereits so verzweifelt, dass jeder Tag Verzögerung den Tod bringen kann. Mit größter Dringlichkeit appellierte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR deshalb bei einer Konferenz in Kuwait an die versammelten 70 Geberländer: Knapp acht Milliarden Euro seien heuer an Hilfsgeldern für Syrien und die Nachbarländer nötig, um eine "entsetzliche und gefährliche humanitäre Katastrophe" abzuwenden.
Sieben Millionen Syrer sind außer Landes geflohen. Mehrheitlich in die Nachbarländer, die mit den gewaltigen Flüchtlingswellen längst nicht mehr allein zurande kommen. In Syrien selbst ist die große Mehrheit der Bevölkerung ohne humanitäre Hilfe von außen ebenfalls nicht mehr in der Lage zu überleben.
Über 200.000 Menschen wurden getötet, über eine Million wurde verletzt. Die EU hat ihre Hilfszusagen auf 1,1 Milliarden Euro erhöht, die USA auf 466 Millionen, Kuwait spendet ebenfalls knapp 470 Millionen Euro. Österreich wird seine Hilfe um 650.000 Euro auf heuer rund zwei Millionen Euro aufstocken. Seit Ausbruch des Krieges 2012 hat Österreich rund 10 Mio. Euro für syrische Flüchtlinge in der Region bereitgestellt.
Trotz der Zusagen warnen Hilfsorganisationen: Heuer seien erst zehn Prozent der zugesagten Gelder eingetroffen. Bleibt es dabei, gibt es etwa in den Flüchtlingslagern in Jordanien ab Mitte April keine Mittel mehr.
Massaker an Zivilisten
Der Flüchtlingsstrom wird in absehbarer Zeit auch nicht abreißen - zu brutal wütet der IS in Syrien. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Terrorgruppe nach Angaben von Aktivisten mindestens 30 Zivilisten exekutiert hat. Die Extremisten überfielen die von Sunniten, Alawiten und schiitischen Ismailiten bewohnte Stadt Mabuje im Zentrum des Landes, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag mitteilte. Unter den "verbrannten, enthaupteten und erschossenen" Opfern seien auch Frauen und Kinder. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden. Sie stützt sich jedoch auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien.
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