Soldaten der AMISON-Friedenstruppe sollen in Somalia Frauen und Mädchen vergewaltigt haben

© APA/EPA/TOBIN JONES

Somalia
09/08/2014

Missbrauchsvorwurf gegen afrikanische UN-Soldaten

MItglieder der AU-Mission sollen Frauen vergewaltigt haben - 12 Zivilisten bei Selbstmordanschlag getötet.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat schwere Vorwürfe gegen Soldaten der Afrikanischen Union (AU) in Somalia erhoben. Die Soldaten der AU-Mission (AMISOM) hätten auf ihren Stützpunkten in Mogadischu schutzbedürftige somalische Frauen und Mädchen sexuell missbraucht und ausgebeutet, so Human Rights Watch in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

In dem 71-seitigen Bericht wird sexuelle Ausbeutung und sexueller Missbrauch somalischer Frauen auf zwei AMISOM-Stützpunkten in Somalias Hauptstadt Mogadischu seit 2013 dokumentiert. Die Soldaten hätten sich mithilfe somalischer Mittelsmänner verschiedener Methoden, einschließlich humanitärer Hilfe, bedient, um die Frauen zu sexuellen Handlungen zu nötigen, heißt es darin. Zudem seien Frauen, die an den Stützpunkten von AMISOM um ärztliche Hilfe oder Wasser baten, vergewaltigt oder auf andere Weise sexuell genötigt worden.

"Machtposition missbraucht"

"Soldaten der Afrikanischen Union haben ihre Machtposition missbraucht, um Somalias schutzbedürftigste Frauen und Mädchen auszubeuten", kritisiert Liesl Gerntholtz, Leiterin der Frauenrechtsabteilung von Human Rights Watch in einer Aussendung. Die somalische Führung und die Führung der AU müssten der sexuellen Ausbeutung ein Ende bereiten, indem sie truppenstellende Länder drängen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, fordert HRW.

In Somalia gibt es praktisch seit Anfang der 1990er Jahre keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die islamistische Shabaab-Miliz kontrolliert weite Landstriche, außerdem leidet die Bevölkerung unter der Gewalt verfeindeter Clan-Milizen und krimineller Banden. Die ANISOM-Friedenstruppen wurden 2007 unter einem Mandat des UN-Sicherheitsrats nach Somalia entsandt. Seitdem wurde die Mission kontinuierlich ausgeweitet. Derzeit umfasst die Mission 22.000 Mann. Die Soldaten kommen überwiegend aus Uganda, Burundi, Kenia, Äthiopien, Dschibuti und Sierra Leone.

Selbstmordanschlag

Bei einem Selbstmordanschlag sind nach Behördenangaben mindestens zwölf Zivilisten getötet worden. Mehrere Menschen seien zudem verletzt worden, darunter zwei Soldaten, sagte ein Regionalgouverneur, der nach eigenen Angaben hinter dem Konvois fuhr, der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefonat am Montag. Ziel des Angriffs mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug sei ein Konvoi der Friedenstruppe der Afrikanischen Union gewesen.

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