Politik | Ausland
27.07.2017

Im Nutella-Krieg zeigt Brüssel Verständnis

Ärger der Osteuropäer über schlechtere Lebensmittel wächst

"Inakzeptabel". In Österreich eher als Skurrilität wahrgenommen, macht sie bei unseren östlichen Nachbarn von Polen bis Tschechien seit Wochen Schlagzeilen: Die dort mutmaßlich schlechtere Qualität von Marken-Produkten. Vor allem Lebensmittel, wie etwa Nutella oder Fischstäbchen, aber auch Waschmittel enthalten nach Untersuchungen im Auftrag staatlicher Behörden andere, minderwertigere Substanzen und schmecken deutlich schlechter. Die kritisierten Konzerne, darunter auch die österreichische Firma Manner, weisen die Vorwürfe zurück. Man produziere für jeden Markt in der gleichen Qualität. Manche Hersteller betonen, dass man den Geschmack lediglich lokalen Vorlieben anpasse.

Boykott-Drohung

Der slowakische Premier Robert Fico hat sich in den vergangenen Wochen zum Wortführer der so genannten Visegrad-Staaten (Tschechien, Polen, Ungarn, Slowakei) gemacht. Fico spricht von einem Skandal und droht den Lebensmittelkonzernen mit Konsequenzen, also etwa einem Boykott ihrer Waren durch öffentliche Einrichtungen. Am Donnerstag sprach der Slowake das Thema auch gegenüber EU-Kommissionspräsident Juncker an, und dieser zeigte sich verständnisvoll. Unterschiedliche Qualitäten bei Markenprodukten, so Juncker, seien tatsächlich inakzeptabel.

Fico machte seinen Ärger über die Geringschätzung des Themas durch andere Länder deutlich, es handle sich um keine lächerliche Angelegenheit. Was, so der Premier, würden Westeuropäer sagen, wenn ihr Waschmittel weniger Wirkstoff enthielte und sie deshalb heißer waschen müssten. Juncker betonte zwar, dass Lebensmittelqualität weitgehend Angelegenheit der Nationalstaaten sei, schloss aber Gesetzesänderungen auf EU-Ebene nicht aus.