Politik | Ausland
01.07.2018

Selbstmordanschlag bei Präsidenten-Besuch: 18 Tote in Afghanistan

Mindestens 18 Tote, vor allem Sikhs. Präsident Ghani zur gleichen Zeit in der Stadt. Unbekannte griffen auch Schule an und enthaupteten drei Wachleute.

Bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt der afghanischen Provinz Nangarhar sind während eines Besuchs von Afghanistans Präsident Ashraf Ghani mindestens 18 Menschen getötet worden, darunter mehrere Mitglieder der kleinen Minderheit der Sikhs. Zudem griffen in der Provinz Unbekannte eine Schule an und enthaupteten drei Wachleute.

Zudem wurden etwa 20 Menschen verletzt, sagte der Chef der Gesundheitsbehörde der Provinz am Sonntag. Wer den Anschlag verübt hat, war zunächst unklar. In Nangarhar sind die radikalislamischen Taliban aktiv, die Provinz ist aber auch die Hauptbasis der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan. Ein Mitglied der Sikh-Gemeinschaft sagte, in Jalalabad lebten etwa 30 Sikh-Familien, landesweit seien es höchstens 140.

Die Explosion ereignete sich auf einem Markt, auf dem viele afghanische Hindus ihre Waren verkaufen. Präsident Ghani hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags in der Stadt im Osten des Landes auf: Er wollte am Sonntag ein Krankenhaus eröffnen. Ein Sprecher des Präsidenten bestätigte, dass sich Ghani nach wie vor in der Provinz Nangarhar aufhalte, dass er aber "außer Gefahr" sei. Ghanis Abreise war für Montag geplant.

Enthauptet

In der Provinz Nangarhar griffen Unbekannte eine Schule an und enthaupteten drei Wachleute. Die Angreifer stürmten die Malikjar-Hotak-Bubenschule und setzen die Bibliothek und das Verwaltungsbüro in Brand. Die Wachleute seien unbewaffnet gewesen, sagte ein Sprecher der Bildungsbehörde der Provinz am Sonntag.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Sowohl die radikalislamischen Taliban als auch die Terrormiliz IS sind in der Provinz aktiv. Die Schule mit etwa 2000 Schülern werde nicht schließen, betonte der Sprecher. Aufgrund der Gewalt können in Afghanistan laut Zahlen der UN mindestens 3,7 Millionen Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren nicht zur Schule gehen.

Waffenpause beendet

Am Samstag hatte Ghani die einseitig ausgerufene Waffenpause nach 18 Tagen für beendet erklärt. Die afghanischen Sicherheitskräfte dürften ihre Einsätze gegen die Taliban wieder aufnehmen, sagte Ghani bei einer Pressekonferenz in Kabul.

Die Feuerpause habe aber gezeigt, dass auch die Aufständischen Frieden wollten. Er sei "bereit, die Waffenruhe jederzeit fortzuführen, wenn die Taliban dazu bereit sind", versicherte Ghani. Es sei nun an den Islamisten, "eine positive Antwort zu geben". Gefechte und Anschläge sind in Afghanistan an der Tagesordnung. Vergangenes Jahr wurden dabei nach UN-Angaben mehr als 10.000 Zivilisten getötet oder verletzt.