Politik | Ausland
01.05.2018

Paris: Schwere Krawalle am Rande der Mai-Demonstration

Mehr als tausend Vermummte lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Es wurden Autos zertrümmert und in Brand gesteckt.

Brennende Fahrzeuge und zerstörte Geschäfte haben den 1. Mai in Paris geprägt: In der französischen Hauptstadt haben sich am Tag der Arbeit mehr als tausend Vermummte Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Polizei nahm fast 200 Angehörige des "Schwarzen Blocks" fest. Zehntausende Menschen protestierten dagegen friedlich an den Mai-Demonstrationen der Gewerkschaften.

In Paris kamen nach Angaben der Polizei 20.000 Menschen zu dem traditionellen Marsch der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit zusammen. Die Gewerkschaft CGT sprach von 55.000 Teilnehmern. Die Zahl der Vermummten wurde von der Polizei mit rund 1200 angegeben. Sie trugen schwarze Jacken und Gesichtsmasken; viele führten Banner mit anarchistischen Symbolen mit sich.

Polizei rechnete mit Ausschreitungen

Der reguläre Protestzug kam ins Stocken, als aus dem "Schwarzen Block" heraus Ausschreitungen begannen. Vermummte griffen die Polizisten mit Wurfgeschoßen an, zertrümmerten Autos und Fensterscheiben und steckten Fahrzeuge in Brand. Einige plünderten eine McDonald's-Filiale und setzten sie in Brand. Auch andere Lokale wurden verwüstet. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Vermummten vor. Sie nahm 200 von ihnen fest, nachdem sie diese eingekesselt hatte.

Der französische Innenminister Gerard Collomb verurteilte "mit Nachdruck" die "Gewalt und Sachbeschädigungen" am Rande der Demonstration zum Tag der Arbeit. Die Pariser Polizei hatte zuvor mit Ausschreitungen gerechnet: "Extremistische Gruppen" wollten den Tag zu einem "großen revolutionären Treffen machen", hatte sie erklärt. In anderen französischen Städten blieb es bei den Mai-Demonstrationen ruhig.

Der Zorn der Arbeitnehmer

In Frankreich ist in den vergangenen Wochen der Zorn vieler Arbeitnehmer über die Reformen von Präsident Emmanuel Macron gewachsen. Seit Anfang April hat es zahlreiche Streiks im Öffentlichen Dienst gegeben, insbesondere bei der Bahn. Macron will die Staatsbahn SNCF wettbewerbsfähiger machen und den beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten abschaffen. An den Mai-Demonstrationen nahmen am Dienstag besonders viele Bahn-Beschäftigte teil.

Der Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon führte den Protestzug in Marseille an, an dem nach Polizeiangaben 4200 Menschen teilnahmen. Sie marschierten hinter einem Schriftzug her, auf dem "Gegen Macron und seine Welt" stand. Melenchon sagte, die soziale Bewegung und die politischen Kräfte seien dabei, sich zusammenzuschließen - nicht aber die Gewerkschaften untereinander.

Macron: "Ich arbeite weiter"

Präsident Emmanuel Macron hielt sich derweil im australischen Sydney auf. Er verteidigte sich dort gegen Kritik, am 1. Mai fernab der Heimat zu sein."Wollen Sie, dass ich zu Hause bleibe und Fernsehen schaue?", fragte er. "Ich habe andere Dinge zu tun, ich arbeite weiter, die Reformen werden jeden Tag fortgesetzt."

Im südfranzösischen Nizza setzte die Rechtspopulistin Marine Le Pen einen Kontrapunkt zu den Maifeiern. Mit Bündnispartnern aus Europa, darunter FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, rief sie gut ein Jahr vor der Europawahl zu einer Veränderung der EU auf. "Die Perspektive, eine Mehrheit für ein anderes Europa zu bekommen, ist nicht so unwahrscheinlich", saget sie bei einer Kundgebung der Bewegung für ein Europa der Nationen und der Freiheit (MENL), der unter anderem auch die derzeit in Italien nach der Macht greifende Lega angehört.