Schock-Fotos sollen den Westen wachrütteln

Kinder in orangefarbenen Overalls stehen in einem Käfig vor zerstörten Gebäuden, während eine Fackel brennt.
Es sieht aus wie eine IS-Hinrichtung: Aktivisten wollen mit einem gestellten Foto an den vergessenen Krieg in Syrien erinnern.

Kleine Kinder in orangefarbenen Anzügen, eingesperrt in einen Käfig, davor eine Fackel: Die Symbolik der Fotos, die derzeit im Netz die Runde machen, erinnert eindeutig an die des Islamischen Staates – der Feuertod des jordanischen Piloten Muath al-Kasaesbeh wurde genauso inszeniert. Geschossen wurden die Fotos aber nicht von den Dschihadisten der Terrormiliz, sondern von Aktivisten aus Syrien: Sie wollen damit an den Krieg in Syrien erinnern.

Vergessener Krieg

Ein Kind hält ein Schild mit der Aufschrift „Stop the killing of children“.
Children carry signs inside a cage during a protest against forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad, in Douma Eastern Al-Ghouta, near Damascus, February 15, 2015. The protest, which made children wear orange suits depicting victims of the Islamic State, calls to compare forces loyal to Syria's president Bashar al-Assad to Islamic State forces, and to draw attention to residents living under siege and dying from strikes by forces loyal to Syria's president Bashar Al-Assad, activists said. The text on the sign reads in Arabic, "#douma-exterminated". REUTERS/Bassam Khabieh (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)
Das Leid, das der Bevölkerung in Syrien zugefügt werde, verschwinde zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein, so der Hintergrund der Kampagne der Aktivistengruppe "Raqqa is being slaughtered silently", die damit eine Aktion lokaler Aktivisten im Damaszener Vorort Duma unterstützt. Durch den blutigen Feldzug des IS in Syrien und dem Irak gerate der tödliche Bürgerkrieg in Vergessenheit, so die Aktivisten gegenüber der Agentur Reuters: "Wir wollen den Menschen zeigen, was in Duma passiert und wie seine Bewohner sterben. Sie verhungern oder sterben in den Flammen der Häuser, die Assads Armee bombardiert hat.“ Raqqa gilt als Hochburg der IS-Terroristen, Duma ist von den Angriffen der Assad-Streitkräfte beinahe vollständig zerstört worden.

Die Bilder sind Teil einer groß angelegten Online-Kampagne – Menschenrechtler posten unter den Twitter-Hashtags #DoumaExterminated (Duma wird ausgerottet) und #AssadHolocaust Fotos und Videos, die das Leid der Bevölkerung in Syrien festhalten. Verletzte Kinder, tote Körper sind dabei zu sehen – erschreckende Bilder. Bislang ist man damit auf positives Echo gestoßen – diese Aktion ging einigen Usern aber doch zu weit: "So eine Aktion ist scheiße. Sie hilft den Leuten vor Ort nicht weiter", ärgerte sich etwa ein Twitter-User.

"Wenn Assad und seine Armee vor euren Augen Hunderte töten, schaut ihr einfach nur zu"

Azoz al-Raqqawi von der Aktivistengruppe verteidigte die Aktion. "Wir wollen den Leuten klarmachen: Als IS einen Piloten ermordet hat, hat die ganze Welt übers Internet Anteil genommen. Aber auch in Duma sterben viele Frauen, Kinder. Auch sie verbrennen, und zwar in den Gebäuden, die von Assads Bomben getroffen wurden – aber das interessiert niemanden", sagte er im Interview mit der Bild-Zeitung. Wenn der IS ein oder zwei Leute ermorde, würden alle Medien berichten. "Aber wenn Assad und seine Armee vor euren Augen Hunderte töten, schaut ihr einfach nur zu."

In Duma ist das tatsächlich der Fall: Allein in den ersten zehn Februar-Tagen sollen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 183 Menschen in der von Rebellen kontrollierten Stadt durch Luftschläge des Regimes getötet worden sein - darunter seien 55 Frauen und Kinder gewesen, berichtet die libanesische Zeitung The Daily Star.

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